Sonntag, 15. Januar 2012

Meine Buchrezension zu "Wir sind die Nacht" von Wolfgang Hohlbein

===Die Einleitung:===
Spätestens seit ich angefangen hatte, Wolfgang Hohlbeins Buchreihe
„Die Chronik der Unsterblichen“ zu lesen, hatten mich die Schreibkünste des Autors in ihren Bann gezogen.
Es folgten einige weitere Bücher und dann wandte ich mich anderen Autoren zu, bis ich in der örtlichen Bücherei das Buch „Wir sind die Nacht“ entdeckte und es nach der Lektüre des Klappentextes auslieh.
===Der Autor:===
Wolfgang Hohlbein wurde 1953 in Weimar geboren und lebt in der Nähe von Düsseldorf.
1982 veröffentlichte er gemeinsam mit seiner Frau Heike den Roman Märchenmond.
Seitdem schreibt er einen Bestseller nach dem anderen.
Seine Romane wurden in 37 Sprachen übersetzt und stammen aus den verschiedensten Genres (Horror, Thriller, Science-Fiction, Historie).

===Fakten zum Buch:===
Das gebundene Taschenbuch erschien im Juni 2010 beim Heyne-Verlag.
Es umfasst 608 Seiten und ist im Buchhandel für 19,95 Euro zu haben.
Das Buch gibt es außerdem noch als broschierte Ausgabe, als Kindle-Edition und als Audiobook zu kaufen.
===Die Gestaltung des Buches:===
Das Cover des Buches ist schwarz.
Ganz oben steht in silbrigweißen Großbuchstaben der Name des Autors.
Darunter sieht man ein geöffnetes Auge mit einer tiefblauen Pupille.
Unter dem Auge steht in schnörkeligen weißen Buchstaben der Titel des Buches und darunter in blauen schnörkeligen Großbuchstaben, dass es sich bei dem Buch um einen Roman handelt.
Das Cover wurde dezent mit geschwungenen Ornamenten in einem intensiven Blau verziert.
Der Titel selbst wirkt wie in ein waberndes Ornament in Lila und Blau gehüllt, welches nach oben steigt und das abgebildete Auge in ein geheimnisvolles Licht taucht.
Meiner Meinung passt das Cover sehr gut zur Geschichte des Buches, denn es vermittelt einen Hauch der geheimnisvollen Atmosphäre, welche im Buch vorherrscht.
Auf der Innenseite des Buches steht in kurzen Worten eine Inhaltsangabe des Verlages über das Buch, welche ich euch weiter unten wiedergeben werde.
Sie deutet gekonnt einige Zusammenhänge an, macht neugierig auf das Buch und informiert darüber, dass der Roman auf dem Drehbuch von Jan Berger nach dem Drehbuch “The dawn“ von Daniel Gansel (Die Welle, Napola) basiert.
Dennis Gansel führte auch bei dem Kinofilm „Wir sind die Nacht“  Regie, welchen ich in meiner Rezension mit dem gleichnamigen Buch vergleichen werde.
Das Buch gefällt mir als
 gebundene  Ausgabe sehr gut, da ich bei Büchern mit so vielen Seiten die gebundene Ausgabe dem Taschenbuch vorziehe.
Ein Lesebändchen oder Ähnliches gibt es nicht, aber dafür gibt’s ja Lesezeichen.
===Der Verlag über das Buch:===
Ich war nichts. Ein Abschaum.
Dreck, den selbst Ratten nicht fressen.
Unsichtbar für die Welt.

Bis SIE mich sah.

Und dann kam der Hunger.
Allesverzehrender Hunger.

Jetzt übersieht mich keiner mehr.

Keine Falten, kein Älterwerden, kein Montagmorgen!
Die drei Vampire Louise, Nora und Charlotte treiben in Berlin ihr nächtliches Unwesen.
In einer Edeldisco trifft Louise eines Nachts auf Lena, die sich auf Diebestour in der Stadt herumtreibt und beißt sie auf der Damentoilette.
Lenas Körper verändert sich und sie muss akzeptieren, dass sie zum Vampir wird.

Erst genießt sie den Luxus, die Partys, die grenzenlose Freiheit, doch dann machen ihr die Mordlust und der Blutdurst ihrer Gefährtinnen immer mehr zu schaffen.
Gleichzeitig sind Lenas Schwarm Tom und die Polizei den Vampirfrauen auf den Fersen.
Lena offenbart sich Tom, dessen Liebe stärker als die Pflicht ist -
was Louise eifersüchtig beobachtet….
===Die Geschichte und meine Meinung dazu:===
Das Buch beginnt mit einem Prolog:
Ein Luxusflugzeug fliegt im Sinkflug durch eine Gewitterfront mit Kurs auf das Stadtzentrum von Berlin.
Die Passagiere und Piloten sind tot und der Geruch von Tod und warmem Blut liegt in der Luft, daher reagiert niemand auf die Drohungen, die per Funk eintreffen und sehr ernst gemeint sind.
Doch halt, nicht alle Passagiere sind tot.
An Bord der Maschine sind drei Vampirdamen, welche jede auf ihre Art eine faszinierende Schönheit besitzt.
Eine wird beschrieben als blonde Schönheit in farblich aufeinander abgestimmten Luxusklamotten, die Zweite ist eine belesene Schönheit, die sich im Stil der frühen Zwanziger kleidet und die Dritte im Bunde ist eine junge Vampirin mit einem durchgeknallten Outfit und zahlreichen Einkaufstaschen gefüllt mit Designerklamotten.
Alle drei Damen springen anderthalbtausend Meter aus dem Flugzeug in die Tiefe und verschwinden.
Wer sind sie und wo endet ihr Sprung?

Bevor meine Fragen beantwortet werden, gibt es einen Szenenwechsel zu Lena.
Diese ist eine zwanzigjährige Taschendiebin in abgerissenen Klamotten, welche Dank eines geklauten Smartphones von dem Flugzeugabsturz erfährt und die Info mitleidlos ad acta legt.
Stattdessen wendet sie sich einem neuen Opfer zu und begeht einen verhängnisvollen Fehler, welcher sie noch lange auf Trab halten wird.
Sie bestiehlt den Falschen und sieht sich auf einmal nicht nur mit der Polizei, sondern auch mit einem Großaufgebot der Russenmafia konfrontiert.
Daher macht sie das einzig Logische und flieht.

Ihr Glück im Unglück ist zunächst, dass sie rein optisch und durch ihre unauffällige lässige Kleidung auch als Junge durchgehen würde, doch auch dieser Trumpf ist schnell ausgespielt, als sie dem jungen, attraktiven Polizisten Tom in die Quere kommt.
Lena wohnt in einer mit Graffiti beschmierten, vermüllten Bruchbude in Berlin zusammen mit ihrer ebenso verwahrlosten Mutter und hat das starke Gefühl, einfach nicht dorthin zu gehören.
Als hätte sie noch nicht genug Probleme in ihrem trostlosen Leben, gibt es da nach Holden, seines Zeichens ihr schmieriger Bewährungshelfer, der seine Tätigkeit jedoch ausnutzt, um seine Schutzbefohlenen zu erpressen.
Lenas einziger Freund ist ein kleiner Junge, der im gleichen Haus wie sie wohnt und es sich fest in den Kopf gesetzt hat, sie später einmal zu heiraten.

Nach ihrem Diebstahl und einem unangenehmen Zwischenfall mit Holden beschließt Lena, die Clubs der Stadt abzuklappern, um ihr Schutzgeld für Holden zu stehlen.
Sie gerät in einen Club voll reicher, edel gekleideter Menschen und begeht auch hier den Fehler, den Falschen zu bestehlen.
Bevor es jedoch hart auf hart kommt, lernt sie die Clubbesitzerin Louise, die blonde Vampirin aus dem Prolog kennen und wir von ihr auf der Damentoilette gebissen.
Verwundet flieht sie und stellt überrascht fest, wie ihr Körper sich verändert.
Ihre Figur wird weiblicher, ihr Haar voller und gesunder, ihre Wunden verheilen und sie strotz vor Kraft.
Einzig und allein die Sonne ist ihr größter Feind und fügt ihr körperlichen Schmerz zu und dann stellt sich auch noch ein schrecklicher Blutdurst ein, der sie dazu verleitet in rohes, blutiges Fleisch zu beißen.

Voller Zorn und Unverständnis stattet sie dem Club einen erneuten Besuch ab und lernt Charlotte und Nora kennen, welche die anderen beiden Vampirdamen aus dem Prolog sind.
Voller Faszination und Abscheu lässt sie sich in die glamouröse Welt der Vampirladys entführen und bekommt von ihnen mehr als ein Mal Hilfe und Unterstützung in gefährlichen Situationen.
Lena wird neu eingekleidet und lebt fortan im Luxus, doch sie wäre nicht Lena, wenn sie nicht leise Zweifel hätte.
Leise Zweifel, die immer lauter werden, denn nichts ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint.
Die drei Vampirinnen genießen zwar oberflächlich betrachtet viele Privilegien und leben im Luxus, doch es gibt auch Schattenseiten.
Sie können als Untote natürlich nicht alle Annehmlichkeiten des Lebens genießen und ihre Mordlust und Blutgier befremdet Lena und stößt sie ab.
In ihrer Not wendet sie sich hilfesuchend an Tom, den jungen Polizisten, der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht und ihre Gefühle scheinbar erwidert.
Immer auf ihrer Spur ist ein seltsames, grauenhaftes Wesen, welches sich im Schatten der Gemäuer versteckt hält und lauernd darauf wartet, was Lena als nächstes Tun wird.

Haben sie und Tom eine Chance? Gibt es ein Zurück für Lena?

Louise ist die unerbittliche Anführerin der Vampirladys und hat auch ein sexuelles Interesse an Lena, die jedoch starke Gefühle für den Polizisten Tom hegt, der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht.
Nora hingegen ist Lena freundschaftlich zugewandt und die beiden haben viel Spaß zusammen.
In diesem Zusammenhang lernt Lena auch die Schattenseiten des Vampirdaseins kennen und zweifelt daran, eine von ihnen sein zu wollen.
Unerwartete Hilfe bekommt sie von der melancholischen Charlotte, der Figur, die mich in dem Buch ebenso sehr wie Lena in ihren Bann zog.
Sie liest anspruchsvolle Bücher und wirkt immerzu, als sei sie von einer namenlosen Trauer erfüllt.

Welches Geheimnis verbirgt Charlotte? Wird Louise Lenas Liebe zu Tom hinnehmen?
Zwischen surreal anmutenden Sequenzen voller Luxus, Freude und Tempo nahen drohende Gefahren.
Während die Polizei den Vampirladys auf den Fersen ist, kommt die dunkle Bedrohung im Hintergrund immer näher und obwohl Louise alles tut um sie zu verbergen, kommt es zu einem gnadenlosen Kampf, bei dem es viele Opfer gibt.
Schließlich kommt es zu einer bedeutenden Szene, einem Kampf zwischen zwei alten historischen Persönlichkeiten und Tom, sein Kollege Lummer und Lena sind mittendrin.
===Mein Fazit:===
Wolfgang Hohlbein ist mit diesem Buch meiner Meinung nach ein Meisterwerk gelungen.
Aus einer an sich schon ungeheuer spannenden  Rahmenhandlung spinnt er eine umfangreiche, faszinierende Geschichte, deren Ende mich fragend zurück lässt und mich noch lange danach beschäftigt.
Nach der Lektüre des Buches habe ich mir den gleichnamigen Film als DVD ausgeliehen und zusammen mit meinem Freund angeschaut.
Aus einem anfänglichen aufgeregten  „Das ist wie im Buch!“ wurde eine leise Enttäuschung, denn in meinen Augen wurde die Geschichte im Buch besser umgesetzt.
Mir gefällt die schauspielerische Leistung der Darsteller und ich erkenne die Handlung im Film als eine eigenständige an.
Ich muss jedoch sagen, dass die Figuren im Buch mehr Tiefe haben und die Handlung, ja die ganze Geschichte an für sich mehr Handlung und Hintergründe aufweist.
Gerade die zwei historischen Personen die gegen Ende offenbart wurden, verliehen der Geschichte eine gewisse Glaubwürdigkeit und einen Hauch vergangener Zeiten.
Herr Hohlbein schreibt flüssig aus der Sicht eines Erzählers, der Lenas Gedanken und Gefühle kennt und die Handlung aus ihrer Sicht beurteilen kann.
Anders als in vielen anderen Vampirbüchern die ich bisher gelesen habe, ist dieses Buch sehr zeitgemäß und man kann sich vorstellen, dass die Geschichte sich so oder so ähnlich gerade in Berlin abspielen könnte.

Hohlbeins Vampire sind keine sexgeilen, blutrünstigen Monster, sondern sowohl uralte, gefährliche Wesen, als auch Gestalten mit durchaus menschlichen Zügen und Bedürfnissen.
Sie müssen nicht schlafen, essen und trinken ist für sie purer Genuss und kein Muss und Geld spielt für sie keine Rolle.
Sie können machen was sie wollen und müssen doch ständig auf der Hut sein.
Sie sind unbeschreiblich stark, geradezu überirdisch schön und elegant und ebenso unberechenbar.
Sie haben menschliche Gefühle, machen Fehler und nicht immer schätzen sie die Konsequenzen ihres Handelns richtig ein.

Herr Hohlbein beschäftigt sich jedoch nicht nur mit den positiven Aspekten, sondern auch mit den Schattenseiten.
Wie ist es sich gegen seinen Willen in einen Vampir zu verwandeln?
Muss man sich als Vampir von Menschenblut ernähren?
Warum wird man zum Vampir?
Welche menschlichen Annehmlichkeiten vermisst man in seinem Vampirdasein und wie geht man damit um?
Welche Alternativen gibt es?

Der Autor gibt in seinem Buch sehr kreative, tiefsinnige Antworten auf diese Fragen und hat in meinen Augen eine völlig neue Form der Vampire geschaffen.
Die von ihm entworfenen Szenerien sind surreal und voller Tempo.
Ständig wartet er mit immer neuen Überraschungen und Wendungen auf.
Er hat alle Charaktere des Buches nicht nur in ihrem Aussehen, sondern auch in ihrem Denken und Handeln beschrieben und so fiel es mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
Die Handlung entwickelte sich rasch immer spannender und es machte mir Spaß am Wechselbad der Gefühle Lenas teilzuhaben.
Ihr bissiger Humor und ihre Ironie gefielen mir sehr gut.
Neben Lena zog mich auch Charlotte sehr in ihren Bann, welche ich im Film auch sehr gut umgesetzt finde.
Holden erfüllte mich mit Abscheu, wogegen ich für Lenas Mutter fast schon Mitleid empfand.
Was Tom angeht fieberte und litt ich mit ihm mit und auch sein Kollege Lummer war mir sympathisch.
Das Ende des Buches ließ mich mit einer Mischung aus Grauen, Freude und leisen Zweifeln zurück.
Das Buch ist eine einzigartige Liebesgeschichte, ein Horrorroman voller Erotik, ein Krimi – irgendwie von allem etwas.
Ich kann es jedem, der gerne tiefgründigere Vampirbücher voll subtilem Grauen liest empfehlen.
Ich finde es sehr gelungen und werde mit Sicherheit noch weitere Werke des Autors lesen.

Viel Spaß beim Lesen, Bewerten und Kommentieren wünscht Aletheia.




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