Sonntag, 24. März 2013

Divine

Mein Leben hat sich in den letzten Monaten ziemlich verändert, was auch der Grund dafür ist, dass ich momentan selten auf dem Blog aktiv bin.
Meine Nachbarn, deren Wohnzimmer Wand an Wand mit meinem Schlafzimmer liegt, haben mich lange Zeit um den Schlaf und um meine Ruhe gebracht.
Ständiges Geschreie und Gerenne, lautes Türenschlagen, laute Musik, der Fernseher, ein weinendes Baby und all das bis in die frühen Morgenstunden ließen mich nicht mehr zur Ruhe kommen und brachten mich um den Schlaf.
Im Kindergarten war es auch nicht besser, denn unter uns wurden Wände und Fenster eingerissen, damit statt der Firma mit der Stanzmaschine dort nun Wohnungen untergebracht werden können.
Ich habe das Gespräch mit meinen Nachbarn gesucht, doch es hat sich nicht viel geändert und die herbeigerufene Polizei konnte auch nicht viel ausrichten.
Also verbringene ich die meiste Zeit bei der Arbeit und bei meinem Freund, bei dem ich wenigstens etwas Ruhe und Schlaf bekomme.
Nach einer Woche in welcher ich insgesamt etwa acht Stunden Schlaf hatte und mich mehr tot als lebendig fühlte, beschloss ich aktiv zu werden, anstatt das machtlose Opfer zu sein, welches den Umständen ausgeliefert ist.
Müde und zudem an einer Magen-Darm-Grippe erkrankt schleppte ich mich von einer Wohnungsgenossenschaft zu nächsten und hatte noch am selben Tag spontan eine Besichtigung.
Die Wohnung war sehr schön und ich hätte sie auf Anhieb genommen.
Es gab mir wieder neuen Mut und Hoffnung, selbst aktiv zu sein, meine Situation ändern zu können.
Beschwingt ging ich nach Hause und als ich danach mit dem Bus in die Stadt fuhr, sprach mich ein dunkelhäutiger junger Mann in meinem Alter an.
Er sprach Englisch und wollte von mir wissen, wo er das nächste Internetcafe findet.
Er erzählte mir, er sei auf Verwandschaftsbesuch und wohne eigentlich in Freiburg.
Ob wir nicht Freunde sein könnten und uns treffen könnten war seine Frage.
Ich war verduzt.
Ich sah total verpennt aus, meine Gedanken wegen der häuslichen Situation ein einziges Wirrwarr und da steht nun ein Fremder vor mir und möchte einfach so mein Freund sein.
Ich sagte ihm, dass mich das Ganze ziemlich verwirrt und schüttete ihm mein Herz aus.
Er zeigte sich besorgt und sagte mir, dass es in seinem Herkunftsland nicht unüblich sei, Fremde auf der Straße anzusprechen und so Freundschaften zu knüpfen.
Er gab mir seine Handynummer und meinte, ich könne mich ja bei ihm melden, wenn ich es mir überlegt hätte.
Sein Name klang noch lange Zeit in mir nach: Divine.
Irgendwie kam mir das Wort bekannt vor und so googelte ich es, bis ich erstaunt innehielt, als ich die Bedeutung des Namens erfasste: Göttlich.
Diese ungewöhnliche Begegnung war eine Art Zeichen für mich und sie hat mir an einem meiner schwärzesten Tage neue Hoffnung gegeben.
Eben war ich noch weinend bei der Arbeit, dann plötzlich die spontane Wohnungsbesichtigung und diese Begegnung.
Die Wohnung habe ich leider nicht bekommen und bis jetzt war noch nichts Passendes für mich dabei, aber ich gebe nicht auf.

Kommentare:

  1. was für eine wunder-volle geschichte! aus deinem post klingt viel optimismus und motivation, ich wünsche dir, dass du das beibehalten kannst und dann auch bald die ersten früchte deiner neuen tatkraft ernten kannst. :)

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    1. Danke liebe Freia!
      Die Geschichte ist mir im Januar diesen Jahres passiert und seitdem habe ich schon 13 Wohnungen besichtigt!
      Liebe Grüße, Aletheia

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  2. Als wir 2011 den Camino Portugues gelaufen sind, haben wir am Abend vor der letzten Etappe in Padron einen Pilger getroffen oder vielmehr gesehen, der aussah wie Jesus und sicherlich auch dessen Ausstrahlung hatte. Leider war auch ein (wahrscheinlich verbitterter) Brite in der Nähe, der nichts besseres zu tun hatte, als sich über den Pilger lustig zu machen. Aber dieser Pilger hatte auch die Ruhe die Frechheiten auszuhalten und den Moment und die Abendsonne in Padron zu genießen. Er wirkte in dem Moment einfach sehr zufrieden und mit sich selbt im Reinen. Das hat mich nachhaltig beeindruckt. Genauso, wie der Weg, der mir auch zu Hause noch sehr viel Kraft gegeben hat.

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    1. Liebe Nele!
      Vielen Dank dafür, dass du mich an dieser schönen spirituellen Erfahrung teilhaben lässt!
      Liebe Grüße, Aletheia

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  3. Gänsehaut lief mir den Rücken hinunter, als ich das Ende deines Posts gelesen habe. So ähnliche Situationen kenne ich. Es gibt hin und wieder Begegnungen, die uns innehalten lassen ... und die uns sehr lange im Gedächtnis bleiben, und zu Neu-Interpretationen von dem was wir momentan erleben, führen.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Glück bei deiner Wohnungssuche.

    Viele Grüße,
    Anna

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