Dienstag, 15. Oktober 2013

Vom Grenzen setzen und Nein-sagen lernen

Ich habe vor Kurzem endlich den Schritt gemacht auszuziehen und bin inzwischen sehr dankbar dafür.
Allein schon der Prozess des Umzugs hat viel in mir verändert.
Ich habe schmerzlich gemerkt, wie sehr mir über die Jahre jegliche Strukturen abhanden gekommen sind und wie sehr mich das blockiert hat.
Während des Umzugs habe ich gemerkt, wer wirklich für mich da ist und wer wie wirklich zu mir steht und das war nicht einfach.
Einer Freundin bin ich besonders dankbar, die am Ende in einer Hauruckaktion mein ganzes Hab und Gut so wie es war in Kartons gepackt und sie mit mir in die neue Wohnung gefahren hat.
Ich stand meinem selbstgemachten Chaos hilflos gegenüber und ich denke alleine wäre ich noch lange nicht fertig geworden.
Zu sehen wie mein altes Reich nun komplett neu gestrichen und mit einem neuen Teppich ausgestattet wird war komisch.
Auch das Verhältnis zu meinem Vater ist anders.
Er schimpft über mich, aber er vermisst mich auch und ich genieße die neu gewonnene Freiheit und naja, ich vermisse ihn auch und mache mir Sorgen um ihn.
Es sind noch immer nicht alle Möbel da und viele Kartons sind noch nicht ausgepackt, aber dieses Mal möchte ich von Anfang an eine neue Struktur in alles bringen, Dinge anders anordnen und ausmisten wo es geht.
Ich möchte keine Dinge mehr um mich haben, die mir nichts bedeuten oder keinen Zweck erfüllen und das stößt manche vor den Kopf, ist aber auch für mich nicht einfach, da es mir noch schwerfällt, Dinge einfach auszusortieren.
Meine Tante möchte mir meine 27 Jahre alten Babysachen, die sie so lange in einem Koffer unter ihrem Bett gelagert hat geben und meint, ansonsten gibt sie diese dem Kinderschutzbund.
Ich will die Sachen nicht, weil ich aktuell keine Verwendung dafür habe und nicht noch mehr Ballast will.
Sie versteht das nicht und meint, ich wäre mal dankbar für die Sachen, wenn ich ein Kind bekomme.
Sie wollte mir eine schwarz-rote Wohnwand schenken, die sie in der Garage stehen hat und alles in mir schrie "Nein, ich will eine weiße Wohnwand".
Das hat sie auch nicht verstanden und meinte, so könne ich doch Geld sparen.
Ich bin keine verwöhnte Göre und reich bin auch nicht, aber ich möchte doch soweit es geht selbst bestimmen, wie meine Wohnung aussehen soll.
Ich möchte mich darin wohlfühlen und ich will kein dunkles Wohnzimmer.
Toll finde ich, dass ich auch anderes Feedback bekomme wie von meiner 50-Jährigen Kollegin und meinem Freund, die mich darin bestärken eigene Wege zu gehen.
Als wir am Freitag mit dem Team die "Experimenta" in Heilbronn besucht haben, ist mir aufgefallen, wie fremdbestimmt mein Leben ist.
Ich hatte einen schönen Tag mit meinen Kolleginnen und hätte ihn gerne entspannt mit meinem Schatz ausklingen lassen.
Doch leider hatte meine Tante Geburtstag und hatte uns zum Essen eingeladen.
Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Gesellschaft und meine Familie möchte ich auch ab und zu sehen, aber das Bedürfnis meiner Tante nach Familientreffen wird seit dem Tod meiner Oma immer intensiver und gerade an diesem Tag wusste sie, wie stressig das alles für mich wird.
Tja, dann hatte der Zug Verspätung und wir mussten sogar noch früher als ausgemacht bei meiner Tante sein und meine Stimmung war im Keller.
Müde, abgehetzt und durchgefroren bin ich keine gute Gesellschaft.
Ich fuhr also bei strömendem Regen mit dem Zug heim, machte mich schnell fertig, holte ihr Geschenk  und hetzte in die Stadt um zu ihr zu fahren.
Dann  mussten wir, die mit ihr als Gastgeberin fuhren einen Umweg fahren und was war?
Die Gäste, wegen denen wir früher dort sein sollten, waren noch gar nicht eingetroffen.
Wir mussten nach unserer Bestellung 1 1/2 Stunden auf unser Essen warten, der Abend war kurz gesagt ein Fiasko.
Und hinterher fragte ich mich, warum zum Teufel ich immer nur auf die Wünsche meiner Familie nach einer Familienfeier etc. eingehe, obwohl ich selbst ganz andere Bedürfnisse habe.

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