Sonntag, 26. Januar 2014

Meine Rezension zu "Der Märchenerzähler" von Antonia Michaelis

Die Einleitung:

Das Buch „Der Märchenerzähler“ habe ich im Rahmen einer Wanderbuchrunde gelesen.
Ich war sehr neugierig auf das Buch, weil mir das Cover sehr gut gefallen hat und die kurze Inhaltsangabe eine spannende Geschichte versprach.
Das Buch hat meine Erwartungen bei Weitem übertroffen und ich bin froh, dass ich es gelesen habe.

Die Autorin:

Antonia Michaelis, Jahrgang 1979, in Norddeutschland geboren, in Süddeutschland aufgewachsen, zog es nach dem Abitur in die weite Welt.
Sie arbeitete u.a. in Südindien, Nepal und Peru.
In Greifswald studierte sie Medizin und begann parallel dazu, Geschichten für Kinder und Jugendliche schreiben.
Seit einigen Jahren lebt sie nun als freie Schriftstellerin in der Nähe der Insel Usedom und hat zahlreiche Kinder und Jugendbücher veröffentlicht, facettenreich, fantasievoll und mit großem Erfolg.
 »Der Märchenerzähler«, ihr erstes Buch für junge Erwachsene, wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Quelle: www.oetinger.de

Fakten zum Buch:

Das gebundene Buch erschien im Februar 2011 beim Oetinger-Verlag.
Das Buch umfasst 446 Seiten und ist im Buchhandel für 16,95 Euro zu haben.
Das Buch gibt es auch als broschierte Ausgabe und als Hörbuch.
Das Buch wird mitunter schon ab 14 Jahren empfohlen.
Ich empfehle es jedoch eher für junge Erwachsene.

Die Gestaltung des Buches:

Mein Exemplar des Buches kam ohne Schutzumschlag bei mir an.
Die Besitzerin des Wanderbuches hat ihn entfernt, damit er nicht beschädigt wird.
Der eigentliche Schutzumschlag des Buches ist meiner Meinung wunderschön.
Darauf ist ein Mädchen abgebildet, welches an einem trüben Wintertag vor einem Meer steht und die Arme weit ausbreitet, als wollte sie jemanden in die Arme schließen oder sie wie Flügel nutzen, um hinfort zu fliegen.
Man sieht nur ihre Kleidung und ihre Körperhaltung.
Dieses Mädchen könnte also jeder sein – das Mädchen aus der Schule, die Nachbarin von Nebenan, das Mädchen aus dem Schwimmbad oder aus dem Supermarkt…
Für mich stellt sie die Anna aus der Geschichte dar, aber so eine solche Anna kann es auch mitten unter uns geben, ohne dass wir es wissen oder wahrnehmen.
Hinter ihr sieht man Hagebuttensträucher und dicke weiße Schneeflocken, die in der Kälte nur schemenhaft wahrnehmbar sacht vom Himmel fallen.
Über dieser Szenerie steht mit großen weißen Buchstaben der Buchtitel und darüber mit roten Buchstaben der Name der Autorin.
Auf der Rückseite des Buches sieht man eine ähnliche Kulisse wie auf der Vorderseite, nur dass hier hinter einem Baum versteckt eine Hand hervorragt, die eine Pistole im Anschlag hat.
Dies gibt schon dem Umschlag eine bedrohliche Wirkung und lässt die friedliche Szene auf der Vorderseite für mich in einem anderen Licht erscheinen.
Mir gefällt die Gestaltung des Buches sehr gut.
Sie ist wunderschön, fängt gut die im Buch herrschende Atmosphäre ein und wirkt auf mich sehr stimmig.

Der Verlag über das Buch:

Abel Tannatek ist ein Außenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer.
Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief berührt.
Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen.
Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit?
Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden?

Die Geschichte und meine Meinung dazu:

Das Buch beginnt mit einem Prolog mit dem Titel „Zuerst“.
In dem Prolog wird auf seltsam poetische Art und Weise beschrieben, wie ein junger Mann mit dem Tod einer Frau umgeht, deren Leiche sich mit ihm im Raum befindet.
Die Beiden scheinen ein schwieriges Verhältnis zueinander gehabt zu haben.
Noch in ihrem Tod sieht er sie als immer von ihm abgewandt.
Schon zu Lebzeiten hat sie ihm nie geholfen.
Er bezeichnet sie als selbstsüchtiges, gnadenloses Geschöpf, welches nur eine Lösung für sich, aber keine Lösung für sie und für ihn gefunden hat.
Er weint wie ein Kind und begräbt ihre Leiche dann liebevoll in aller Heimlichkeit.
Zuerst dachte ich, dass der junge Mann der Mörder der Frau ist, doch dann schwankte ich und änderte meine Meinung.
Sein Verlust ist fast schon greifbar, seine Worte voller hilflosem Zorn.
Daher komme ich zu dem Schluss, dass wir es hier mit Selbstmord zu tun haben.
Besonders, weil er meint, dass die Tote eine Lösung für sich gefunden hat, nicht aber für die Hinterbliebenen.
Ich bekomme Mitleid mit dem jungen Mann und frage mich, wie es zu dieser seltsamen Situation gekommen ist.
Wer war die Tote?
Warum ist sie gestorben und was bedeutete sie dem jungen Mann?
Ehe ich dies erfahre, lerne ich Anna kennen.
Das 17-jährige Mädchen findet in ihrer Schule eine Puppe und möchte unbedingt herausfinden, wem sie gehört.
Erstaunlicherweise meldet sich Abel Tannatek zu Wort und sagt, dass die Puppe seiner 6-jährigen Schwester Micha gehört.
Seit diesem Erlebnis beginnt Anna sich mehr und mehr für den verschlossenen Außenseiter Abel zu interessieren, den alle anderen hinter vorgehaltener Hand den „polnischen Kurzwarenhändler“ nennen.
Ich habe sogar fast schon das Gefühl, dass sie ihn nach dem kurzen Wortwechsel zum ersten Mal richtig wahrnimmt, ganz so als wäre er vorher gar nicht da gewesen.
Anna muss daher erst ein Mal von ihrer Freundin Gitta darüber aufgeklärt werden, was es mit Abels Spitznamen auf sich hat.
Annas Neugier ist noch nicht gestillt und so beginnt sie, Abel heimlich zu folgen.
Dabei entdeckt sie eine ganz andere Seite an ihm.
Er kümmert sich liebevoll um seine kleine Schwester Micha, holt diese von der Schule ab, geht mit ihr Kakao trinken und erzählt ihr dabei das Märchen von der kleinen Klippenkönigin.
Anna ist fasziniert von Abel und seinem Märchen und aus einer zarten Freundschaft entwickelt sich Liebe.
Die Liebesgeschichte der Beiden steht jedoch unter keinem guten Stern, denn sowohl in Abels Märchen, als auch im realen Leben spitzen sich die Ereignisse zu.
Menschen verschwinden und werden tot aufgefunden und Anna muss sich fragen, ob sie sich in einen Mörder verliebt hat.t dem jungen Mann und frage mich, wie es zu dieser seltsamen Situation gekommen ist.

rau umgeht.
Mein Fazit:

„Der Märchenerzähler“ ist ein Buch, das seinesgleichen sucht.
Es ist Thriller, Liebesgeschichte und Märchen zugleich und beeindruckt durch einen eigenwilligen, bildhaften Schreibstil voller Märchen und Poesie.
Ein Buch voller Kontraste, das nachdenklich macht und dazu auffordert genauer hinzuschauen und zu helfen, wenn jemand sich selbst nicht helfen kann.
Die eigentliche Geschichte wechselt sich ab mit einem bezaubernden Märchen, welches starke Parallelen zu den realen Geschehnissen aufweist.
In dem Buch herrscht eine ganz besondere Atmosphäre.
Es ist ein klirrend kalter Winter, zarte Rosenknospen blühen vor dem Fenster und Vögel kommen zaghaft zu Besuch.
Der Winter bietet jedoch auch Gefahren, schwillt zum Schneesturm an und das Laufen auf einer geschlossenen Eisdecke wird zur tödlichen Gefahr.
Der spannende Prolog hat mich neugierig auf die Geschichte gemacht.
Dann tauchte ich ein in die Welt von Anna, einem ganz normalen jungen Mädchen, welches in einem behüteten Haus in dem sie das Licht als blau empfindet in einer guten Wohngegend lebt.
Ihre Eltern sind die stille Linda und der unauffällige Magnus.
Zwei Menschen, die Anna ihr Leben leben lassen und nicht viel darüber reden, was sie innerlich bewegt.
Anna hat keine besonderen Probleme und einen großen Freundeskreis.
Annas Freunde aus der Schule sind keine Freunde, die ich selbst haben wollte.
Da wäre einmal ihre beste Freundin Gitta, die Anna gegenüber oft ein wenig altklug ist und mehr über Abel zu wissen scheint, als sie zugibt.
Annas Liebe zu ihm bereitet ihr große Sorgen, doch trotz ihrem Wissen hilft sie den Beiden nicht und schaut nicht genauer hin.
So wundert es mich auch nicht, dass Anna sich ihr nicht anvertraut.
Gittas Freund Hennes war mir von Anfang an unsympathisch.
Er ließ so richtig den reichen Schnösel raushängen und machte auf mich nicht den Eindruck ein großer Menschenfreund zu sein.
Am Schlimmsten fand ich jedoch Bertil, den ewigen Außenseiter, der kein Glück bei den Mädchen hat und durch Prahlerei und Nachhilfe versucht bei Anna zu landen.
Ich hatte das Gefühl, dass Anna sich nur aus Mitleid mit ihm abgibt und er das einfach nicht wahrnehmen möchte.
Er neidet ihr die zarte Liebe zu Abel und hat sich durch seine Aktionen bei mir absolut unbeliebt gemacht.
Nicht nur das, er hat mir sogar richtig Angst eingeflößt.
Zu lesen, was er in seiner Freizeit so macht und seine Obsession Anna gegenüber fand ich ziemlich unheimlich und so machte ich mir oft Gedanken darüber, in welcher Verbindung er zu den Morden stand.
Abel stellt einen großen Kontrast zu Anna dar.
Seine Kleidung, sein Verhalten, alles an ihm ist ganz anders als bei Annas Freunden, doch genau das ist es, was ihn für mich so interessant und sympathisch gemacht hat.
Ein wenig erinnert er mich an meinen ersten Freund, der auch aus Polen kam und mit Drogen zu tun hatte.
Abels Mutter ist nach seinen Angaben verreist und er kümmert sich ganz alleine um seine geliebte kleine Schwester Micha.
Ich fand es schön zu lesen, wie er Micha beschützt und immer wieder zum lachen gebracht hat, trotz der schwierigen Lebensumstände in welchen sich die Beiden befanden.
Die Beiden haben unterschiedliche Erzeuger und es ist offenbar besser für Micha, wenn sie keinen Kontakt zum Vater hat.
Abel und Micha wohnen im Gegensatz zu Anna in ärmlichen Verhältnissen.
Ihre karge Wohnung ist spartanisch eingerichtet und ihr Alltag und ihre Freizeitgestaltung sind ganz anders als das, was Anna gewohnt ist.
Abel geht ganz in seiner Rolle als großer Bruder auf, muss er Micha doch Vater und Mutter ersetzen.
Er tut alles in seiner Macht stehende, um seine kleine Schwester zu beschützen und ihr später ein besseres Leben bieten zu können.
Mehr als ein Mal habe ich mir jedoch jemanden gewünscht, der für Abel da ist, ihn an die Hand nimmt und ihm zeigt, dass das Leben auch für ihn schöne Seiten zu bieten hat, wenn er nur Hilfe bekommt.
Er trägt so viel Verantwortung, musste schon so viel Leid erfahren, da konnte ich manches besser verstehen.
Abel erzählt Micha ein Märchen von einer Klippenkönigin, einem Seelöwen, einem Leuchtturmwärter und vielen anderen Figuren, die ihr Pendant in realem Leben des Geschwisterpaars finden.
Auch Anna kam in dem Märchen vor und ich fand es sehr schön, wie Abel sie in die Geschichte hineingewoben und gleichzeitig gewarnt hat.
Die kleine Micha ist ein zauberhaftes, genügsames Kind mit einer blühenden Fantasie.
Sie ist mir mit ihrer offenen, herzlichen Art sehr schnell ans Herz gewachsen und hat in mir den Impuls geweckt, sie vor allem Bösen in der Welt zu beschützen.
Sie hinterfragt die Reise der Mutter und lässt sich von Abels Märchen ablenken, vom den sie nie genug kriegen kann.
Anna begegnet sie mit offenen Armen und sie ist es, die sie um Hilfe bittet, als sie Angst hat.
Bei Abel verhält es sich anders.
Er ist wie eine Muschel, die ihre Perle nicht hergeben möchte.
Er ist vorsichtig und verschlossen, geht zehn Schritte auf Anna zu, nur um dann wieder zwanzig Schritte zurück zu gehen.
Nie weiß man, woran bei ihm ist.
Abel ist kein einfacher Charakter.
Er ist unnahbar, kämpft für ein besseres und sicheres Leben für sich und seine Schwester.
Sein Charakter ist vielschichtig und voller dunkler Geheimnisse, die jedoch in seiner Biografie eine Erklärung finden.
Als das Buch zu Ende war, war ich fassungslos vor Trauer.
Nicht immer läuft im Leben alles so, wie man es sich gewünscht hat, doch gerade bei diesem Buch ich so sehr gehofft, dass sich alles zum Guten wendet.
„Der Märchenerzähler“ ist ein Buch, welches mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Es greift Tabuthemen auf und beschäftigt sich mit Inhalten, die sicher nicht für jeden leicht zu verkraften sind.
Es ist ein trauriges Märchen, bei dem man sich wünscht, dass es nie zu Ende gehen wird.
Ein spannender Thriller, voller Geheimnisse und Tod.
Eine herzergreifende und komplizierte Liebegeschichte voller Höhen und Tiefen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Aletheia




1 Kommentar:

  1. "Der Märchenerzähler" ist eins meiner Lieblingsbücher <3
    Die Geschichte hat mich einfach nur umgehauen!

    Liebste Grüße,
    Kasia

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