Samstag, 22. Oktober 2016

Meine Rezension zu "Das Flüstern der Ahnen" von Varuna Holzapfel

Die Einleitung:
„Das Flüstern der Ahnen“ habe ich im Rahmen einer Wanderbuchrunde gelesen.
Bei dem Buch sprachen mich das geheimnisvolle Cover und der Klappentext sehr an und mir war klar, dass ich das Buch unbedingt lesen muss.

Die Autorin:
Die Diplom-Pädagogin Varuna Holzapfel wurde 1968 in Hagen geboren und war schon als Grundschulkind eine richtige Leseratte.
Nach Sachbüchern über das Hexentum, keltische Jahreskreisfeste und Santeria hat sie mit „Das Flüstern der Ahnen“ ihren ersten historischen Roman geschrieben.
Wer mehr über die Autorin wissen möchte, wird zum Beispiel auf ihrer Homepage www.varunaholzapfel.de  und auf www.buch-ist-mehr.de/PWA/autoren/varuna-holzapfel/ fündig.
Die Autorin bloggt auf www.varunaholzapfel.blogspot.de/.
Unter www.buch-ist-mehr.de/PWA/interviews/9-fragen-varuna-holzapfel/  gibt es ein kleines Interview mit ihr.

Fakten zum Buch:
Das Taschenbuch mit Kunststoffeinband erschien am 8. Februar 2016 beim Verlag 3.0.
Es umfasst 280 Seiten und ist für 14,50 Euro zu haben.
Das Buch ist außerdem als E-Book erhältlich.

Der Klappentext:
„Alruna, deren Geburt ein mystisches Geheimnis umgibt, wächst gut behütet im Haushalt ihres Großvaters, dem Häuptling eines kleinen Dorfes, auf.
Das ruhige Leben in einem Dorf, eingebettet in die traditionellen Rituale einer Stammeskultur bestimmt ihren Alltag, doch das Vorrücken der römischen  Fremdherrschaft und die damit verbundene Uneinigkeit unter den Stämmen, lässt ihr Leben aus dem Gleichgewicht geraten.
Alruna muss fliehen, erfährt zuvor aber noch das Geheimnis ihrer Herkunft und wird einer weisen Frau in einem weit entfernten Nachbardorf in Obhut gegeben, die sie aufzieht und sie in Heilkunde und schamanischen Praktiken unterweist.
Eines Tages findet Alruna den schwerverletzten Lucius, der als Legionär an der Varusschlacht teilgenommen hatte und nun sein Gedächtnis verloren hat.
Da Lucius sich nicht mehr an die Schlacht erinnern kann und in Arminius weiterhin einen Verbündeten sieht, gewährt ihm dieser Gastfreundschaft.
Alruna pflegt den Verletzten gesund und beide kommen einander näher.
Doch eines Tages erfährt Lucius vom Verrat des Arminius an Varus und flieht.
Auf Umwegen führt ihn diese Reise schließlich über Augusta Treverorum (das alte Trier), bis zurück nach Rom.
Alruna bleibt allein zurück…
Welches Schicksal haben die Nornen den beiden bestimmt?“

Die Gestaltung des Buches:
Das Cover des Buches hat mich sofort angesprochen und neugierig gemacht.
Es ist Nacht.
Die kahlen Umrisse der Tannen im Wald werden durch einen vollen Mond erhellt.
Eine schlanke Frau mit langem glattem Haar, welches im Mondlicht blausilbern  glänzt, trägt ein zartes Gewand mit einem durchscheinenden Umhang.
Ihre Arme sind kunstvoll mit Leder und anderen Stoffen umwickelt.
Sie wirkt anmutig, stolz, wie eine Kriegerin, aber auch geheimnisvoll.
In der Hand hält sie eine schamanische Trommel.
Sie gleitet auf einem schmalen, kunstvoll geschnitzten Kanu sanft über den nebelverhangenen Fluss, der sich durch die Bewegung des Kanus sanft kräuselt.
Der Bug des Kanus stellt den Kopf eines Reihers dar.
Er trägt eine kleine Laterne im Schnabel.
Wer ist diese Frau und wohin führt sie ihre Reise?
Und welche Bedeutung hat der Reiher in der germanischen Mythologie und dem Schamanismus?
Die dunklen Farbtöne des Covers passen sehr gut zu diesem Bild.
Als sehr stimmig empfinde ich auch den goldgelben Rahmen mit keltischen Knoten an jeder Ecke und die antik wirkende Schriftart, welche für den Buchtitel gewählt wurde.

Die Geschichte mit meinen Worten:
Wir schreiben das Jahr 9 nach Christus.
Während ein kalter Sturm übers römische Reich peitscht, liegt eine Frau in den Wehen.
Es ist nicht ihre erste Geburt, doch diese ist anders als alle anderen zuvor, das spürt sie.
In jener schicksalhaften Nacht wird Lucius geboren, welcher im späteren Verlauf des Buches eine tragende Rolle spielen wird.
Zur gleichen Zeit, an einem anderen Ort kämpfen die Germanen mit einem kalten Winter.
Die schlechte Ernte führt zu Hungertoden und so muss so mancher seine Lieben vor der Zeit zu Grabe tragen.
Als wäre das Leben nicht schon schwer genug, besetzen auch noch die Römer nach und nach ihr Land.
Plünderungen und Sklaverei stehen an der Tagesordnung und so mancher Häuptling sieht seinen Vorteil darin, den Römern nachzueifern.
In diesen unruhigen Zeiten, in denen zwischen Freund und Feind schwer zu unterscheiden ist, wächst Alruna bei ihrem Großvater Thorbald, ihrer Großmutter Irmingard und ihrer Mutter Heidruna auf.
Ein großes Geheimnis liegt über ihrer wahren Herkunft.
Als sie endlich eine Antwort auf die Frage wer ihr Vater ist erhält, schlägt das Schicksal gnadenlos zu.
Außer sich vor Trauer irrt sie umher, bis sie in einem Nachbardorf Zuflucht findet und dort ihr Wissen um die Heilkunde vertieft.
Das Leben hat sie gezeichnet und ihr ist kein leichter Weg bestimmt.
Doch Alruna ist eine Kämpferin und so lassen die Nornen sie schließlich den Weg des verletzten Lucius kreuzen.
Von schweren Zweifeln gebeutelt ist er geradewegs in die Arme der Legion geflüchtet, wo er zum ersten Mal in seinem Leben etwas Anderes als den behüteten Alltag eines mündigen römischen Bürgers erfährt.
Die Varusschlacht bringt Tod und Leid, aber auch das Vergessen über ihn und so lässt er sich unwissend von Alruna am Hof des Arminius gesund pflegen.
Zwischen den Beiden entspinnt sich eine zarte Liebe, die sie über alle Grenzen hinweg miteinander verbindet.
Wird sie den Verrat Arminius und Alrunas Schweigen überstehen?
Außer sich vor blindem Zorn irrt Lucius umher.
Welches Schicksal haben ihm die Parzen bestimmt?
Werden er und Alruna einander jemals wiederfinden?

Mein Fazit:
„Das Flüstern der Ahnen“ ist ein beeindruckender Debütroman, dessen Ende mich auf eine Fortsetzung hoffen lässt.
Varuna Holzapfel vereint in ihm gekonnt historische Elemente mit Brauchtum, Götterglaube, Schamanismus und Heilkunde.
Aber auch die Freundschaft und die Liebe in all ihren Facetten kommen hier nicht zu kurz und ein Hauch von Magie liegt in der Luft.
Die Autorin hat ein Gespür dafür, die Atmosphäre in der Natur während eines Sturms oder einer besonderen Begegnung im Wald einzufangen, was sicher auch ihrer großen Liebe zur Natur geschuldet ist.
Es ist ihr sehr gut gelungen, die Gegensätze und Gemeinsamkeiten der Römer und Germanen in ihrem Buch in die Geschichte eingebettet zu verdeutlichen.
So erfuhr ich beim Lesen zum Beispiel, wie unterschiedlich ein römischer Bürger im Gegensatz zu einem germanischen Häuptling nebst Familie lebte und welche gesellschaftlichen Strukturen, Werte und Normen jeweils vorherrschten.
Mit der Beschreibung der Initiationsriten von Frau und Mann, der Eheschließung und den Begräbnisriten der beiden Völker macht sie deutlich, wie verschieden und doch so ähnlich sie einander waren, was ich sehr interessant finde, da ich vieles noch nicht wusste.
Ein großer Unterschied, der sich für mich herauskristallisiert hat, ist die Betreuung und Erziehung der Kinder und die Rolle der Frau in der Ehe und Gesellschaft.
Dadurch, dass die Autorin die Geschichte so aufgebaut hat, dass man immer im Wechsel erfährt, wie es jeweils mit Lucius und Alruna sowie deren Familien weitergeht, schafft sie es, die Spannung konstant aufrecht zu halten.
So einige Charaktere wie Alruna und Lucius wuchsen mir schnell ans Herz.
Gespannt verfolgte ich ihren Werdegang und wie sich ihr Wesen und ihre Glaubenssätze im Laufe ihres Lebens veränderten.
Ich erfreute mich an ihren schönen Erlebnissen und litt mit ihnen, als sie von schweren Schicksalsschlägen gebeutelt wurden.
Die Charaktere in „Das Flüstern der Ahnen“ sind sehr gut beschrieben.
Auch hier hat die Autorin ihr Wissen einfließen lassen und so zum Beispiel vor meinem inneren Auge die Patrizierin Lucia in der typisch römischen Kleidung der damaligen Zeit; die Heilkundige Alma mit all ihrem Wissen über Zauberlieder und Heilkräuter; einen fahrenden Händler mit Geschichten aus der Ferne oder einen weisen germanischen Häuptling als Oberhaupt über einen Dorf mit vielen Familien lebendig werden lassen.
Sie alle und viele weitere Charaktere hat sie rund um die Hauptcharaktere Alruna und Lucius eingebettet in ihre jeweilige Kultur, Wohnräume, Esskultur und Umgebung dargestellt und mir so unter Anderem auch einen Einblick in das Leben in germanischen Dörfern und dem alten Rom gewährt, der sehr authentisch wirkt.
Der Götter- und Ahnenglaube der beiden Völker, die alten Bräuche und deren Präsenz im Alltag haben mich sehr fasziniert und ein wenig mit Wehmut erfüllt.
Die Autorin hat das Thema jedoch nicht romantisiert, sondern auch seine Schattenseiten aufgezeigt.
Sehr schön fand ich die große Verbundenheit der Germanen mit Tieren und der Natur.
Stimmig fand ich auch die an die damalige Zeit angepasste Sprache der Autorin, welche zum Beispiel als Zeitrechnung Begriffe wie Monde und Winter verwendete.
Während dem Lesen musste ich immer wieder einige Begriffe und Orte im Glossar nachschlagen, über welches ich sehr dankbar war.
Da meine geografischen Kenntnisse eher bescheiden sind, hätte ich mich über eine kleine Karte gefreut, auf welcher ich die Routen von Lucius und Alruna nachverfolgen könnte.
Die Autorin lässt die Varusschlacht und ihre Hintergründe lebendig werden und mich hautnah am Schicksal und den Gedanken des Römergermanen und Sohn eines Cheruskerfürstens Arminius teilhaben.
Er war ein enger Vertrauter des mitleidlosen Varus und stand in einem großen Interessenskonflikt.
Seine innerliche Zerrissenheit wird im Buch sehr nachvollziehbar geschildert.
Was damals wirklich in den Köpfen der Beiden vorging werden wir wohl nie genau erfahren, aber so wie im Buch geschildert könnte sich die Geschichte tatsächlich zugetragen haben.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich bin schon sehr gespannt auf die anderen Werke der Autorin!

Viel Spaß beim Lesen wünscht Aletheia



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