Dienstag, 10. April 2012

Meine Buchrezension zu "Der Regler" von Max Landorff

Die Einleitung:
Immer wenn ich in der örtlichen Bücherei bin, um Bücher abzugeben, komme ich nicht an dem Regal mit den Neuzugängen vorbei.
Diesmal durfte das Buch “Der Regler“ von Max Landorff mit mir nach Hause.
Die kurze Inhaltsangabe auf der Rückseite des Buches hatte mich neugierig gemacht und ich war gespannt auf den perfidesten deutschen Thriller des Jahres, wie das Buch beworben wird.


Der Autor:
Bei den Büchern die ich lese, interessiert mich auch immer, wer sich hinter dem Autor oder der Autorin verbirgt.
Was ist das für ein Mensch, der sich solche Geschichten ausdenkt, womit beschäftigt er sich, wie kommt er auf die Ideen für seine Bücher, was hat er für eine Ausbildung etc.
Dieses Mal erlebte ich bei der Recherche jedoch eine Überraschung.
Zum Autor Max Landorff fand ich keinerlei Informationen, denn bei dem Namen handelt es sich laut dem Verlag um ein Pseudonym.
Wer sich wohl dahinter verbirgt?
Ein Autor oder gleich mehrere?
Wir dürfen gespannt sein!
Auf jeden Fall ist das Buch ein Bestseller und wird in mehreren Sprachen übersetzt.


Fakten zum Buch:
Das broschierte Buch erschien im Juli 2011 beim Scherz -Verlag.
Es umfasst 335 Seiten und ist im Buchhandel für 13,95  Euro zu haben.
Unter www.wer-ist-der-regler.de findet ihr weitere Informationen zum Buch.
 
Die Gestaltung des Buches:
Das Cover des Buches ist weiß.
Ganz oben steht in schwarzen Großbuchstaben das Pseudonym des Autors.
Im Zentrum des Covers sieht man einen schemenhaft dargestellten Mann mit einem langen Mantel.
Er wirkt auf mich anonym und erinnert mich vom Aussehen her an einen Agenten.
Der Titel des Buches steht in großen türkisen Buchstaben auf der Unterseite des Covers.
Der Mann scheint auf den Buchstaben zu laufen, wie auf einem Schriftzug, der auf den Boden gemalt wurde.
Dadurch und durch seine Körperhaltung wirkt er, als würde er direkt auf mich zu kommen.
Auf der Rückseite des Buches findet man eine kurze Inhaltsangabe, welche ich weiter unten wiedergeben werde.
Meiner Meinung passt das Cover sehr gut zur Geschichte des Buches.
Es ist geheimnisvoll und sehr einprägsam.


Der Verlag über das Buch:
Er ist der REGLER.


Für die Reichen und Mächtigen regelt er alles -
Liebe, Geld, Karriere, Sex.
Bis die bestialischen Morde geschehen.
und er erkennen muss:
Du kannst alles regeln.
Nur nicht deine Vergangenheit.

Der perfideste deutsche Thriller des Jahres.


Die Geschichte und meine Meinung dazu:
Das Buch beginnt mit einem Prolog:
Es ist Anfang Oktober.
Am Lago Maggiore wartet Gabriel Tretjak mit einem Revolver in der Manteltasche auf die Ankunft einer Fähre.
Von Bord gehen ein Mann, ein kleiner Junge und eine Frau.
Die Frau geht mit Gabriel in ein Hotel.
Sie haben sich seit 20 Jahren nicht gesehen.
Wer ist diese Frau und warum trägt Gabriel einen Revolver bei sich?
Er hat Angst, doch wovor?


Das Buch wurde in drei Teile eingeteilt.
Sie heißen Die Täuschung, Die Entfremdung und Am See.
Die eigentliche Geschichte beginnt.
Es ist ein Abend im Mai und Gabriel Tretjak befindet sich in Galle, Sri Lanka.
Er tritt im Auftrag einer Klientin in das Leben eines Mannes und hat einige Veränderungen geplant, die Beiden zugute kommen sollen.
Sein Auftreten und sein Vorgehen sind sehr diplomatisch und bis ins kleinste Detail durchdacht.
Nichts überlässt er dem Zufall.
Als an der Rezeption eine Nachricht für ihn mit dem Hinweis auf ein Rennpferd namens Nu pagadi eingeht, hält er es für eine Verwechslung und misst dem Ganzen wenig Bedeutung bei.
Kurz darauf wird in der Transportbox des besagten berühmten Pferdes eine männliche Leiche gefunden und ihre letzte Nachricht galt Gabriel.
Dadurch rückt er schnell ins Interesse der Polizei und Kommissar August Maler, der Polizist, der schreckliche Tagträume und ein Spenderherz hat, fühlt ihm auf den Zahn.
Spätestens als auch noch seine Putzfrau unter ominösen Umständen verschwindet, wird Tretjak klar, dass er es hier mit seiner Vergangenheit zu tun bekommt.
Einer Vergangenheit, von der er immer betont, dass er sie hinter sich gelassen hat.


Doch warum ist er dann von Psychopharmaka abhängig?


Er konzentriert sich nur noch auf seinen ungewöhnlichen Beruf, der ihn einzigartig macht und in dem er sehr gefragt ist.
Er arbeitet als Regler.
Reiche und mächtige Menschen wenden sich an ihn, wenn sie ihren Job behalten, einen Erpresser loswerden, einen Neuanfang wagen oder von ihren Sexeskapaden rein gewaschen werden wollen.
Gabriel Tretjak regelt alles.
Er hat die Fäden in der Hand und mag keine Langeweile.
Er ist ein diskretes, zuverlässiges Ein-Mann-Unternehmen und kennt keine moralischen Grenzen.
Gabriel ist perfekt organisiert, findet Schwachstellen und setzt sie geschickt für seine Zwecke ein.
Dabei bedient er sich moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Psychologie, Gehirnforschung und der Kommunikationsforschung.
Er legt Wert auf seine Figur, pflegt nur oberflächliche Freundschaften und die Stricke zu seiner Vergangenheit sind gekappt.
Nichts macht ihm Angst, bis nach und nach noch mehr Leichen auftauchen, die alle mit ihm in Zusammenhang stehen.
Sein einziger Halt scheint die Steuerprüferin Fiona Neustadt zu sein, die er etwas näher an sich heran lässt.
Doch kann er ihr wirklich trauen?


Sein Beruf hat ihn gelehrt wachsam zu sein, alles in Frage zu stellen.
Als es weitere Tote gibt, eine geheimnisvolle Frau ihn um Rat ersucht und sein Vater sich meldet, zu dem er lange keinen Kontakt mehr hatte, wird es eng für ihn.
Wer will ihm Böses?
Jemand, dessen Leben er gegen seinen Willen geregelt hat?
Oder doch sein alternder Vater, zu dem er keinen Kontakt mehr haben will?
Wer ist Gabriel Tretjak wirklich und was weiß das alte Zimmermädchen Maria aus einem Bozener Hotel über ihn?
Und was ist mit seinem Bruder passiert, der eines Tages spurlos verschwand?


Kaum verfolge ich eine heiße Spur, kaum glaube ich zu wissen, was wirklich Sache ist, werden meine Gedankengänge widerlegt.
Der nebenher laufende Handlungsstrang, in welchen es um die Autorin Charlotte Poland und ihren Sohn Lars geht, der in einem Erziehungsheim lebt, irritiert mich.
Die Frau kennt Paul Tretjak, Gabriels Vater, aber was will sie von Gabriel?
Wie stehen sie und ihr kranker Sohn  mit ihm in Zusammenhang?


Fragen über Fragen, die während dem fulminanten Ende großteils erklärt werden.
Doch ein schaler Beigeschmack bleibt, denn längst sind noch nicht alle Fragen beantwortet.
In der Hoffnung auf Auflösung lese ich mit Spannung den Epilog, in welchem Rainer Griz, ein Kollege Malers, einem Geheimnis auf die Spur kommt.
Ob ich es richtig ausgelegt habe, weiß ich nicht.


Mein Fazit:
Dieses Buch ist ein Thriller der etwas anderen Art.
Es lässt sich flüssig lesen und ist ziemlich spannend, wirft aber gleichzeitig viele Fragen auf.
Gabriel Tretjak ist eine ungewöhnliche Hauptfigur.
Er lässt wenig an sich heran, bleibt distanziert und fasziniert durch seinen ungewöhnlichen Beruf.
Einzig seine Angst, sein Faible für Astronomie, seine Gefühle für Fiona Neustadt und seine seltsame Freundschaft mit dem Pfarrer Josef Lichtinger kitzeln aus seiner unterkühlt und professionell wirkenden Art so etwas wie Menschlichkeit heraus.
Er besticht durch seinen Intellekt und nicht durch Gefühle.
Unterstützt wird dies durch zahlreiche angerissene wissenschaftliche Details aus den Bereichen Astronomie, Psychologie und Gehirnforschung, welche der Autor geschickt mit der Handlung verwoben hat.
Identifikationsfiguren bietet das Buch wenige, da die Charaktere oftmals anscheinend bewusst etwas blass blieben.
Fiona Neustadt war mir zu vielschichtig, mit Christine Poland wurde ich nicht warm.
Einzig Kommissar Maler weckte mein Mitgefühl.
Das Buch liefert keine schnellen Antworten, der Täter bleibt lange im Dunkel und der Leser muss richtige Denkarbeit leisten, um der Handlung folgen zu können.
Kurz wird auf die Bremse getreten, nur um dann in noch schnellerem Tempo nachzulegen – ein gelungenes Debüt, welches Lust auf mehr macht!
Die Geschichte bleibt bis zum Schluss geheimnisvoll und bedrohlich.
Sie hallt noch lange in mir nach und lässt mich fragend zurück.
Nicht nur, dass ich mir Fragen zur Handlung stelle, nein, ich stelle mir auch moralische Fragen:
Würde ich jemandem wie Gabriel Tretjak die Kontrolle über mein Leben überlassen, um Dinge für mich zu regeln, weil ich es selbst nicht kann oder will?
Würdet ihr es tun?
Sehr spannend finde ich, dass die Hauptfigur des Buches in einem Alternate Reality Game (ARG) zum Leben erweckt wurde und dabei die Vorgeschichte des Buches transmedial erlebbar gemacht wurde.
Dieses ARG werde ich mir auf www.wer-ist-der-regler.de genauer anschauen.
Dort haben auch schon manche User Aufträge für Herrn Tretjak notiert.
Ich hätte da auch einen Auftrag und zwar eine Fortsetzung des genialen Buches, die bitte ein paar der offenen Fragen beantwortet!
Das Buch kann ich allen Thriller-Fans nur ans Herz legen und zwar solchen, denen blutige Schilderungen nichts ausmachen und die damit leben können, dass nicht alle ihr Fragen beantwortet werden.


Viel Spaß beim Lesen wünscht Aletheia


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