Sonntag, 3. Juni 2012

"Hey, wenn du kackst, mach ich dich Krankenhaus"

Die Einleitung:

Als ich bei Lovelybooks die Inhaltsangabe des Buches las, musste ich schmunzeln.
Dann meinte der Autor auch noch über das Buch:


„Es ist also kein Krimi und auch kein Fantasyroman, sondern einfach eine Geschichte, wie sie sich tagtäglich in Deutschland abspielt.
Mann wird von Frettchen gebissen, will aber eigentlich noch ein Kind. Kennt man.“


Nein, kenne ich eben nicht und da mich der Autor nun vollends neugierig gemacht hatte, bewarb ich mich um ein Freiexemplar zur Teilnahme an der Leserunde, die der Autor begleiten würde.
Sehr sympathisch fand ich, dass der Autor selbst noch ein paar Exemplare gestellt hat.
Nun ging das Warten los und ich war sehr gespannt darauf, ob ich eines der Bücher gewonnen hatte.
Als ich nachschaute, erwartete mich eine schöne und sehr lustige Überraschung:
Anstatt der üblichen schriftlichen Aufzählung der Gewinner, hatte der Autor ein Video von der Verlosung gemacht und es auf Youtube veröffentlicht.
Sein Helfer war dabei das „Frettchen“ Idi Amin, welches in dem Buch eine tragende Rolle spielt und mein Held ist, weil es meinen Namen gezogen hat!
Hier das Video zur Verlosung:


Der Autor:

Murmel Clausen alias Claus Clausen, geboren 1973 in München, als Co-Autor für den Kinoerfolg Der Schuh des Manitu mitverantwortlich, schrieb bislang vorrangig fürs Fernsehen.
Er verfasste u.a. Sketche für Ladykracher, Tramitz & friends und die Kultcomedy Die Bullyparade.
Frettsack ist sein erster Roman.
Mehr über den Autor findet ihr unter http://murmelclausen.de/



Fakten zum Buch:

Das Taschenbuch erschien im Mai 2012 beim Heyne -Verlag.
Der Roman umfasst 320 Seiten und ist im Buchhandel für 8,99 Euro zu haben.
Das Buch gibt es außerdem noch als E-Book in der Kindle-Edition zu kaufen und ich hoffe, dass es verfilmt wird.


Die Gestaltung des Buches:

Das Cover ist total süß und verspricht eine witzige Geschichte!
Es ist hellgrün lackiert und glänzt sehr schön.
Ganz oben steht in schwarzen Großbuchstaben der Name des Verlags.
Im Zentrum des Covers sieht man Idi Amin, das Frettchen, welches eine tragende Rolle im Buch spielt.
Idi Amin hält ein Schild in der Pfote, auf dem in schwarzen Großbuchstaben der Name des Autors und der Buchtitel stehen.
Das Frettchen sieht aus, als hätte es etwas ausgefressen und müsste nun im Gefängnis für ein Foto stramm stehen….
Der Titel des Buches ist sehr treffend, so schön eindeutig zweideutig.
Er lässt aber zunächst ein Mal viel Raum für wilde Spekulationen, wenn man das Buch nicht kennt.
Fettsack kommt im Buch nämlich keiner vor.
Das rote R im Titel wurde deshalb so hervorgehoben, damit die Leser nicht statt Frettsack Fettsack sehen.
Hinterher ist man immer klüger, denn der Autor meinte, man hätte auch Frett rot und Sack schwarz schreiben können.
Zunächst hatte er den Roman einfach „Frett“ nennen wollen, was sich auf den ersten Buchseiten von selbst erklärt.
Wenig später kommt aber eine Stelle im Buch, in der der „Frettsack“ geschaffen wird und dies gefiel ihm als Titel besser.
Von den Kommentaren einiger Frauen verunsichert machte er sich dann erneut auf Titelsuche und der Vorschlag seiner Frau
"Ich will ein Kind von mir" gefiel ihm sehr gut.
Leider haben ihm die Covervorschläge dazu gar nicht gefallen und so kam es, dass nun „Frettsack“ auf dem Cover steht und "Ich will ein Kind von mir" nun auf der Rückseite des Buches.
Dort findet man eine kurze Inhaltsangabe, welche ich weiter unten wiedergeben werde.
Die Rückseite passt in Design und Schriftfarbe sehr gut zum Cover des Buches.
Die lobenden Worte von Christian Tramitz und Tex Rubinowitz machen mich neugierig auf das Buch.


Der Verlag über das Buch:

Ich will ein Kind von mir

Das Leben hat beschlossen, Jens Fischer möglichst wenig zu
bieten.
Besonders bei den Frauen scheitert er kläglich.
Um sein Erbgut wenigstens anonym weiterzugeben, wird er Samenspender.
Doch kurz nach seiner ersten Spende beißt in Idi Amin, das
Frettchen seines Mitbewohners, in den Sack, und aus ist es mit
der neuen Männlichkeit.
Immerhin ist Jens noch Manns genug, in die Samenbank
einzubrechen.
Dort gelangt er an die Adresse von Maren, die Empfängerin seiner letzten Samenspende, die er nun mit allen Mitteln für sich zu gewinnen versucht.


“Dieser Murmel ist ein talentierter Hund“ – Christian Tramitz

“Heiter bis melancholisch, und spannend bis zum Schluss“ – Tex Rubinowitz.


Die Geschichte und meine Meinung dazu:

Das Buch beginnt mit einem Mann, der aus der Ich-Perspektive von einem Erlebnis in einem Münchner Biergarten erzählt.
Der Abschnitt gefiel mir schon ganz gut, denn durch die bildhafte Beschreibung der Situation konnte ich die Szene vor meinem geistigen Auge sehen und musste schmunzeln.
Der Ich-Erzähler Jens Fischer benennt den Mann aus seinem Erlebnis im Biergarten als den "Pfeifhasen" und so lautet auch passenderweise die Kapitelüberschrift.
Nun lerne ich Jens besser kennen und muss sagen, besonders sympathisch ist er mir erstmal nicht.
Eine junge Frau, die nicht zu gut aussieht und auf den ersten Blick etwas abnehmen könnte, ist genau sein Typ.
Seine Anmachstrategie ist nicht gerade die Beste, kein Wunder also, dass er eine Abfuhr nach der anderen kassiert.
Überhaupt wirkt er auf mich nicht wie ein typischer 37-jähriger Mann, sondern wesentlich jünger und irgendwie auch unerfahrener.
Lustig fand ich das Wort "Schamdrüsen", das muss ich mir merken...
Jens Mitbewohner Sven Wilde ist 33, treibt keinen Sport und war bei der Besichtigung der gemeinsamen Wohnung zu gleichen Teilen betrunken, verkatert und bekifft.
Er verspricht schon einmal einen unterhaltsamen Mitbewohner und ich bin gespannt darauf, was er so alles in Jens Leben anstellt.
Dieser sieht eine WG nicht als Wohngemeinschaft sondern als eine Zweckgemeinschaft wegen Geldmangel - passt!
Nun wieder zu Jens...
Dieser hat Angst davor, zu alt für ein Kind zu sein und möchte eine Familie gründen, findet aber nicht die passende Frau dafür.
Sven möchte dagegen seinen Samen möglichst weit streuen und betätigt sich mehr oder minder erfolgreich als Samenspender.
Geht er sonst eigentlich keiner Arbeit nach?
Und ob die Welt lauter kleine Svens brauch?

Da Jens kein Glück bei den Frauen hat, versucht er, sein Erbgut wenigstens anonym weiterzugeben und wird Samenspender in der Praxis von Dr. Parisius, wo auch Sven regelmäßig Samen spendet.
Es kommt zu einigen lustigen Szenen mit der hübschen Arzthelferin Verena Matisse und auch Sven leistet seinen Teil um meine Lachmuskeln erfolgreich zu attackieren.
Während Jens gespannt darauf wartet, ob sein Sperma brauchbar ist, gehen die Tage ins Land.
Jens hat keine Hobbys, kein Geld und besonders gut aussehen tut er auch nicht.
Er und Sven werden von den Frauen oft regelrecht beleidigt und manchmal fand ich die Bemerkungen der Frauen doch ganz schön fies.
Jens Samen ist in Ordnung, also kann’s losgehen mit der neuen Einnahmequelle!
Er baggert immer wieder Verena Matisse an und dass, obwohl er sich mehr als ein Mal hoffnungslos vor ihr blamiert hat.
Sven hat indes eine Idee für Jens Hobby:
Frettchen züchten!
Bei mir schrillen alle Alarmglocken, besonders auch deshalb, weil Jens keine Frettchen mag und Sven sich überhaupt nicht über ihre artgerechte Haltung informiert hat.
Feldmarshall Al Hadj Dr. Idi Amin Dada..., kurz Idi Amin ist nun also Svens neues Haustier.
Da Jens und Sven keine Ahnung haben, wie man mit Frettchen umgeht, kommt es, wie es kommen muss:
Idi Amin hat panische Angst und verkriecht sich in Jens Hosenbein und zack, ist der Samenleiter durchtrennt.
Was für Idioten!
Außer der Samenspende geht Jens auch einem richtigen Beruf nach, wenn man das denn so nennen kann:
Er macht Moderationsjobs bei diversen Messen.
Da könnte er doch Frauen kennen lernen ?!?
Idi Amin hat Jens buchstäblich kastriert, dabei sollte er sich doch nur mit seinem weiblichen Gegenstück Mutter Teresa paaren...
Wie die Gesichte wohl weitergehen wird?

Da Jens nun keine Kinder mehr zeugen kann, ertränkt er seinen Kummer mit Alkohol und Sven leistet ihm in den Bars Gesellschaft und hält locker mit.
Zu Hause unterhalten sich die zwei und ich lach mich schlapp, als Jens nicht unterscheiden kann, ob er gerade laut denkt oder nicht..
Der Dialog war klasse!
Jens will unbedingt ein Kind, sein gespendetes Sperma bietet ihm die letzte Möglichkeit dazu.
Was also tun?

Während Jens darüber nachdenkt, wie er an seine Samenspende rankommen kann, bringt Sven DIE Lösung für Jens Problem mit:
Hondo Tosic, seines Zeichens ein Muskelprotz mit einem T-Shirt mit der Aufschrift "Vorsicht, Balkan", ner Kurzhaarfrisur und tätowierten Armen.
Hondo spricht die typische "Hey-Alter" - Sprache ("Scheißendreck").
Er ist das "analphabetische Alphatierchen" des Trios und besticht eher durch vorschnelle Handlungen und der Neigung zur Gewalt, als durch überragende Intelligenz.
Seine Sprache und seine Handlungen bringen noch mehr Witz in die Geschichte.
Er wirkt so, als sollte man sich lieber nicht mit ihm anlegen, da man ihm körperlich sowieso unterlegen ist.
Tja, und Hondo soll nun also die Schlüsselfigur für den Einbruch bei Dr. Parisius sein.
Ob das wohl gut geht?

Bei der Einbruchszene musste ich mehrmals lauthals lachen, gut dass ich allein zu Hause war!
Jens findet heraus, dass sein Samen bei Maren Heinze zum Einsatz kam.
Wie Maren wohl so ist? Ist sie eine „Latte- Mutti“ oder gar lesbisch?
Hondo betätigt sich als "jugoslawischer Backpfeifenbomber" und sorgt für einen Lacher nach dem anderen.
Mit Sprüchen wie "Hey, wenn du kackst, mach ich dich Krankenhaus" sorgt er für gute Unterhaltung.
Ich konnte mir die Szene richtig bildhaft vorstellen *prust*

Jens nennt Hondo in Gedanken Migrationshintergründler.
Da musste ich an meinen Beruf als Erzieherin denken und daran, dass wir uns unter den Kolleginnen auch gegenseitig Spitznamen gegeben haben.

Im Kapitel "Katze" musste ich erstmal online gehen und nachschauen, was die Lolcats sind.
Ja! Ich kannte sie nicht! *Asche über mein Haupt*Jens sucht Maren Heinze und überlegt sich, was er ihr bloß sagen soll.
Wie wird sie auf ihn reagieren?
Wird er ihr die Wahrheit über sich sagen?
Werden die Beiden ein Paar?
Wie geht es mit Sven und den beiden Frettchen weiter?


Mein Fazit:

Mit seinem Debütroman " Frettsack“ hat mich Murmel Clausen bestens unterhalten und bewiesen, dass er nicht nur fürs Fernsehen schreiben, sondern auch gute und witzige Romane schreiben kann.
Die irrwitzige Geschichte von Jens und Sven, die gemeinsam in einer Chaos-WG leben und dabei total verrückte Sachen erleben, ist alles andere als alltäglich und konnte mich immer wieder durch überraschende Wendungen überzeugen.
Spätestens wenn Hondo auftauchte und mal wieder einen seiner Sprüche vom Stapel ließ, ließen die Lachtränen oft nicht auf sich warten.
Seine ganze Weltsicht und seine Handlungen waren einfach irre komisch und ich konnte ihn mir total gut vorstellen.
Er ist ein ziemlich sadistisches Erbsenhirn, aber irgendwie war er mir sympathisch.
Jens ist das Paradebeispiel dessen, was ich einem Mann in seinem Alter eben nicht wünschen würde.
Er ist 37 Jahre alt und weiß immer noch nicht so genau, was er eigentlich vom Leben will.
Er lebt in einer WG mit Sven, betrinkt und bekifft sich, hält sich mit schlecht bezahlten Messejobs über Wasser, hat nur sporadischen Telefonkontakt zu seinen Eltern und nimmt dauernd Anrufe von Svens Mutter entgegen, die sich über sein Wohlergehen sorgt.
Man möchte ihm direkt einen Schubs geben, zu einem soliden Beruf, einer aufgeräumten und ordentlichen Wohnung, einer stabilen Beziehung mit Frau Kind, doch wäre er dann Jens?
Richtig!
Er geht eben einen anderen Weg als die „Latte-Muttis“ und „Außer-Haus-Scheißer“ die er so verachtet.
Was manchem Leser und mancher Leserin vielleicht aufstoßen wird, sind gewisse Szenen mit den Frettchen, die Tierschützer erbost aufschreien lassen.
Jens Hamster Niki erlitt ein trauriges Schicksal, dass ich nicht lustig fand.
Es machte mich eher wütend, zeigt aber gut auf, wie unbeholfen Jens ist.
Menschen wie er und Sven (und die gibt es leider oft) sollten keine Haustiere haben dürfen...
Nichtsdestotrotz passen Svens Experimente gut zu seiner Person und zur Geschichte und da es sich dabei nur um eine fiktive Geschichte handelt, finde ich das nicht so schlimm.
Die lustige Geschichte zog mich in ihren Bann.
Von einer überraschenden Wendung in die nächste schlitternd, wollte ich unbedingt wissen, wie es mit Jens und Maren weitergeht und freute mich immer über Hondos Auftritte.
Das Ende der Geschichte war anders als erwartet.
Kurz vor Schluss legte der Roman noch mal ordentlich an Tempo zu und bot mir ein überraschendes und aus meiner Sicht sehr passendes Finale, mit welchem ich nicht gerechnet hatte.
Die detailreichen Erzählungen ließen bei mir Bilder zu den einzelnen Szenen und Dialogen entstehen und vor meinem geistigen Auge sah ich die ganze Geschichte wie eine Komödie vor mir.
Ich finde, dass Buch sollte unbedingt verfilmt werden!
Es ist voller Wortwitz und die Dialoge haben großes Potential.
Es sind einige richtige Brüller dabei und viele Szenen haben sehr viel Situationskomik in sich.
Sehr lustig fand ich zum Beispiel Jens Eigenheit, immer wenn er betrunken ist, laut zu denken und es nicht zu merken.
Oftmals habe ich mich während der Lektüre des Buches sogar etwas geekelt, wie z.B. bei der Beschreibung des Müllerschen Volksbads, mit all den Körpersoßen und den Menschen, die sich die Genitalien durchspülen lassen.
War ich froh, dass ich die Passage nach meinem Freibadbesuch am Pfingstmontag gelesen habe.
Toll finde ich, dass das Buch immer wieder Bezug auf bekannte Personen und Fernsehformate wie "Das perfekte Dinner" nimmt.

Das Buch hat meinen Wortschatz und meinen Horizont erweitert.
Auf Ideen wie z.B. ob das T9 des Handys Tourette hat, weil nur Beleidigungen versandt wurden, muss man erstmal kommen.
Mittlerweile muss ich oft schmunzelnd an das Buch denken, denn Hondos gibt es in meiner Stadt wahrlich viele.
Das Buch hat mich und meinen Freund dazu bewogen eine Diskussion über Dikatoren, insbesondere über Idi Amin zu führen und so lernte ich auch über Geschichte etwas Neues dazu.
Interessant fand ich, dass Herr Clausen statt Zahlen Tiernamen gewählt hatte, die mal mehr, mal weniger gut zum jeweiligen Inhalt des Kapitels passten.
Unter den Kapitelnamen standen jeweils kurze Informationen wie
z.B. dass Kuckuckskinder die anderen Vogelkinder aus dem Nest werfen, die Lemminge von Disney-Mitarbeitern in einen Fluss geworfen wurden oder die Weihnachtskrabben jedes Jahr zur gleichen Zeit zur Küste aufbrechen.
Die Idee mit den Kapitelnamen fand ich ganz unterhaltsam , wenn auch wie schon erwähnt nicht immer ganz passend.
In seinem Buch „Frettsack“ wollte Herr Clausen etwas über den Zustand „Vater werden“ aus einer interessanten Perspektive schreiben.
Ich finde, dass ist ihm mit diesem Buch sehr gut gelungen, denn es dürfte meiner Meinung beide Geschlechter gleichermaßen ansprechen und unterhalten.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich hoffe, dass es verfilmt wird.
Vielleicht gibt es ja auch eine Fortsetzung?
Euch wünsche ich jedenfalls viel Spaß beim Lesen und bedanke mich bei Herr Clausen für das bereitgestellte Leseexemplar!

Kommentare:

  1. Das klingt doch mal gut. Lieben Gruß Sarah

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  2. Sag mal, hast du Lust auf diese Reise von Harold Fry, was ich rezensiert habe. Ich habe ja noch das Lese-Exemplar für die weite Reise, und irgedwie mag es keiner kostenlos haben wollen. vielleicht ist es ja was für dich.

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