Meine Rezension zu "Die Verratenen" von Ursula Poznanski
Die Einleitung:
„Die Verratenen“ habe
ich im Rahmen einer Wanderbuchrunde gelesen.
Es ist neben „Fünf“
das zweite Buch, welches ich von der Autorin Ursula Poznanski gelesen habe und
ich muss sagen, ihr Schreibstil gefällt mir außerordentlich und ich bin sehr
gespannt auf ihre anderen Werke.
Die Autorin:
Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren, studierte sich einmal quer
durch das Angebot der dortigen Universitäten und landete schließlich als
Redakteurin bei einem medizinischen Fachverlag.
Nach dem fulminanten Erfolg ihres Jugendromans "Erebos" widmet sie sich nun hauptsächlich dem Schreiben.
Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien.
Mehr zur Autorin : www.ursula-poznanski.at
Nach dem fulminanten Erfolg ihres Jugendromans "Erebos" widmet sie sich nun hauptsächlich dem Schreiben.
Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien.
Mehr zur Autorin : www.ursula-poznanski.at
Fakten zum Buch:
„Die Verratenen“ ist der
erste Teil einer Trilogie.
Die gebundene Ausgabe
des Buches erschien im Oktober 2012 beim Loewe-Verlag.
Das Buch umfasst 460
Seiten und ist im Buchhandel für 18,95 Euro zu haben.
Das Buch gibt es auch
als Taschenbuch und als Hörbuch.
Die Gestaltung des
Buches:
Mein Exemplar des Buches kam ohne Schutzumschlag bei mir an.
Die Besitzerin des Wanderbuches hat ihn entfernt, damit er nicht
beschädigt wird.
Der eigentliche Schutzumschlag des Buches ist zur Hälfte schwarz und zur
Hälfte weiß.
Auf der Oberseite sieht man eine graue Abbildung eines Blattes, welche
wie eine Skizze von einem Teil eines Kastanienblattes aussieht.
Darunter stehen auf weißem Hintergrund der Name der Autorin und der
Buchtitel.
Die Gestaltung des Schutzumschlages ist meiner Meinung recht
unspektakulär, aber einprägsam und erinnert mich an verschiedene Charaktere aus
dem Buch, die Pflanzen erforscht oder gezeichnet haben.
Die Einteilung des Covers in die zwei Hälften könnte aber auch den
krassen Gegensatz zwischen dem Leben in den Sphären und der Welt außerhalb
darstellen.
Der zweite Band der Trilogie hat ein ähnliches Cover, weshalb ich finde,
dass die Gestaltung des Buches einen hohen Wiedererkennungswert hat.
Der Verlag über das Buch:
Sie ist beliebt,
privilegiert und talentiert.
Sie ist Teil eines
Systems, das sie schützt und versorgt.
Und sie hat eine
glänzende Zukunft vor sich.
Rias Leben könnte
nicht besser sein.
Doch dann wendet sich
das Blatt:
Mit einem Mal sieht
sich Ria einer ihr feindlich gesinnten Welt gegenüber und muss ums Überleben
kämpfen.
Es beginnt ein
Versteckspiel und eine atemlose Flucht durch eine karge, verwaiste Landschaft.
Verzweifelt sucht Ria
nach einer Erklärung, warum ihre Existenz plötzlich in Trümmern liegt.
Doch sie kann
niemandem mehr vertrauen, sie ist ganz auf sich allein gestellt.
„Die Verratenen“ ist
der erste Band einer Trilogie.
Die Geschichte und
meine Meinung dazu:
Ohne Vorwarnung katapultiert
mich eine Ich-Erzählerin mitten hinein in eine faszinierende Welt voller
Gegensätze, die tausende von Jahren nach der Welt, die wir jetzt kennen
existiert und mich nicht mehr los lässt.
Das Buch ist aus der
Sicht von Eleria, die von allen nur Ria genannt wird geschrieben worden.
Ria lebt in einer
hochtechnologischen Welt, in der es nur Kuppeln, die Sphären genannt werden und
die Wildnis draußen gibt.
Die junge Frau zählt
zu den begabtesten Studenten der Borwin Akademie in der Sphäre Neu-Berlin.
Alle Studenten werden
dort je nach Begabung und Leistung auf einer großen Tafel aufgereiht.
Ria ist die Nummer 7
in der Reihung und ihr Freund Aureljo ist die Nummer 1.
Jeder in der Gemeinschaft
der Spähren hat eine bestimmte Aufgabe.
Rias Aufgabe ist die
Rhetorik und ich finde, sie ist ziemlich gut darin.
Von ihrem Mentor
Grauko lernt sie verschiedene Techniken der Kommunikation und Überzeugung,
sowie ihre Mimik und ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten.
Ihr Alltag ist
ziemlich gut strukturiert und dient dem Wohl der Gemeinschaft.
Zeit für sich selbst
bleibt da wenig.
Bisher ist Ria mit dem
Leben was sie führt zufrieden.
Sie hat Freunde, lebt
an einem gut geschützten und harmonischen Ort, an dem es immer warm ist und hat
einen tollen Freund.
Ihre perfekte Welt
bekommt Risse, als ihre Freundin Tomma die Nachricht überbringt, dass drei
Sphärenbewohner bei einem Einsatz außerhalb der Sphären eines grausamen Todes
gestorben sind.
Der Verlust trifft Ria
umso stärker, da es sich bei einer der Toten ihre Freundin Lu handelt, doch sie
muss funktionieren und das Leben geht weiter.
Sie hinterfragt den
Tod der Freundin nicht, bis sie zufällig ein Gespräch zwischen einem Fremden
und einer wichtigen Führungsperson innerhalb der Sphäre Neu-Berlin belauscht,
in welchem von einer Verschwörung die Rede ist.
Und ausgerechnet sie
und fünf andere Studenten, darunter auch Aureljo sollen die Verschwörer sein,
deren Tod zur Sicherheit der Sphären beschlossene Sache ist.
Zuerst versucht sie
eine logische Erklärung für all das zu finden und das Gehörte zu beschönigen.
Dann knüpft sie
Kontakt zu den anderen und weiht sie ein.
Jeder der anderen geht
auf seine eigene Weise mit dem Gehörten um.
Doch nichts kann sie
darauf vorbereiten, was dann passiert.
Fernab der heilen,
geschützten Welt der Sphären kämpft Ria in der Wildnis, die sie nie kennen
gelernt hat mit den anderen fünf Studenten ums überleben.
Während einer
atemberaubenden Flucht vor den Sentineln der Sphären und den Clans der Prims,
jenen unberechenbaren Bewohnern der Wildnis, ist sie nicht nur auf der Suche
nach sich selbst, sondern muss mit eiskalter Gewissheit erkennen, dass sie
niemandem außer sich selbst trauen kann.
Mein Fazit:
„Die Verratenen“ ist
meiner Meinung ein rundum gelungener Auftakt für eine vielversprechende Trilogie,
mit welcher die Autorin Ursula Poznanski beweist, dass sie sich nicht auf ein Genre
festlegen lässt.
Am Anfang hatte ich
etwas Schwierigkeiten, mich in der Welt von Ria zurecht zu finden, da die
Geschichte einfach mitten drin begann.
Das legte sich aber
nach ein paar Seiten recht schnell.
Die Ich-Erzählerin Ria
zog mich mitten hinein in ihre Welt.
Spannende Erzählungen
von dem Leben in den Sphären und dem Alltag in der Akademie wechselten sich ab
mit Gesprächen mit ihrem Mentor Grauko und Aureljo, der sich schwer überzeugen
lies.
Schon nach kurzer Zeit
wurde ich aus dieser behüteten Normalität heraus gerissen.
Es ging um eine
Verschwörung und um einen scheinbar unabwendbaren Tod und ich fieberte mit Ria
zu dem Moment hin, an dem die Katastrophe ihren Lauf nehmen sollte.
Die selbstbewusste,
prinzipientreue Ria war mir sehr sympathisch geworden und so lag mir ihr
Schicksal natürlich sehr am Herzen.
Ich verfolgte atemlos
mit, wie sie sich in tödlicher Gefahr befand und um ihr Leben kämpfte.
Es war unsagbar
spannend zu lesen, wie die sechs Studenten sich plötzlich mit der Wildnis, in
der die sogenannten „Prims“ leben auseinander setzen mussten.
Sie kannten keine
Kälte, keinen Hunger, keine Sonne, keinen Regen.
Ihr bisheriges Leben
fand fernab von der Natur, den Elementen, Naturkatastrophen und Pflanzen und
Tieren statt.
Vieles kannten sie nur
aus Büchern und Zeichnungen, daher bedeutete es eine riesige Umstellung für
sie, sich in der Welt außerhalb der Sphären zurechtzufinden und darin zu
überleben.
Wo würden sie
Unterschlupf finden?
Wie würden sie sich
Nahrung und Kleidung suchen und wie sich um ihre Gesundheit kümmern?
Bisher gab es da nur
ein Med-Center und einen sogenannten „Salvator“, den jeder Spährenbewohner am Handgelenk trug.
Dieses Gerät war mit
dem Med-Center verbunden und machte genau Vorgaben, wie sich die Studenten
verhalten und was sie essen sollten.
Nun waren sie mit
allem völlig auf sich selbst gestellt und mussten für sich selbst sorgen.
Keinem konnten sie
mehr trauen, auch wenn der Gedanke zurück zu kehren und alles richtig zu
stellen oder in einer anderen Sphäre Zuflucht zu suchen manchmal ziemlich
verlockend erschien.
Schließlich kam es zum
Kontakt mit den vermeintlichen Wilden, den „Prims“, den Bewohnern der Wildnis.
Im Zusammentreffen mit
ihnen sah sich Ria nun damit konfrontiert, dass alles, woran sie bisher
geglaubt hatte, eine Lüge war.
Die Sicherheit der
Sphären war eine Täuschung und das ganze System dahinter nur eine grausame
Lüge.
Besonders der naiven
Biologin Tomma fiel es schwer, damit klar zu kommen.
Jeder der anderen
Studenten verarbeitete die neuen Informationen anders und Ria ist verzweifelt auf
der Suche nach Verbündeten.
Die Handlung strotzt
nur so vor Spannung und Tempo, der Schreibstil ist detailreich und lässt in
meinem Kopf zahlreiche Bilder entstehen.
Die Studenten müssen
sich an die ihnen unbekannte Welt voller Gefahren und deren Bewohner anpassen,
weiterleben, kämpfen, richtige Entscheidungen treffen und erkennen, dass die
Welt die sie kannten nicht so ist wie sie dachten.
Einer der Studenten
ist ein Verräter und für Ria beginnt die nervenaufreibende Suche nach ihm.
Ist es die naive
Biologin Tomma, die mit der neuen Situation nur schwer zurecht kommt oder das
verträumte Zeichentalent Dantorian?
Ist es Flemming, der
über hervorragende medizinische Kenntnisse verfügt oder der Technikfreak Tycho?
Was, wenn es Aureljo
ist?
Ihr Freund, dem sie
bisher in allen Lebenslagen vertraut hat und der ihr etwas zu verheimlichen
scheint.
Seite um Seite war ich
mir nie sicher, wer Ria und die anderen verraten würde.
So ziemlich jeder
konnte es sein und jeder hätte ein Motiv gehabt.
Ich litt und zweifelte
mit Ria mit und stellte es mir furchtbar vor allein in einer fremden Welt zu
sein, weil man nicht einmal den Seinen vertrauen kann.
Die letztendliche Auflösung,
wer der Verräter ist, hat mich ziemlich erstaunt und ich habe das Gefühl, dass
er nicht der Einzige ist, der ein Geheimnis hat.
Die Autorin hat ein
großes Talent die Mimik und Gestik von Personen zu beschreiben.
Dadurch konnte ich
mich noch besser in die Handlung und die vielseitigen Charaktere, die sie
geschaffen hat hineinversetzen.
Rias Talente der
Kommunikation, der Beherrschung von Mimik und Gestik sowie das Erkennen von
Absichten und Emotionen anderer waren ihr im Kontakt mit den „Prims“ sehr
nützlich.
Die „Prims“ sind ein
Volk, die mir sympathischer sind als die Sphärenbewohner, wobei ich zu deren
Schutz sagen muss, dass sie es teilweise einfach nicht besser wussten oder
kennengelernt haben.
Der Kontrast zwischen
der Welt der Prims und Sphärenbewohnern ist gigantisch.
Die Sphärenbewohner
leben in einer beschützten Welt, die sie nährt und fördert und sind im Besitz
modernster Technologie.
Jeder ihrer seltsamen Namen
hat eine besondere Bedeutung und bleibt in Erinnerung.
Die Bewohner der
Sphären wurden entweder im Reagenzglas gezeugt oder als Findelkinder
aufgenommen.
Die Prims hingegen
müssen sozusagen back to the roots.
In einer kargen
Umgebung voller Kälte, wilden Tieren, anderen plündernden und mordenden Clans
versuchen sie die Welt wieder lebenswert und bewohnbar zu machen und kämpfen um
das nackte Überleben.
Bei ihnen gibt es noch
Familien und einzelne Gruppen, die sich zu einer großen Gemeinschaft
zusammenfügen.
Ihre Zusammenkünfte
und Gesellschaftsstrukturen erinnern mich an nordische Völker.
Das Ende des Buches
lässt vieles offen und ich kann es kaum erwarten, den zweiten Band der Trilogie
zu lesen.
Mit „Die Verratenen“
hat Ursula Poznanski eine faszinierende Dystopie in einer facettenreichen Welt
geschaffen, in welcher ein sympathischer Charakter ums überleben kämpft und
sich weiterentwickelt.
Freundschaft, Liebe,
Vertrauen und Verrat, gepaart mit dem nackten Überleben sind der Stoff für eine
Geschichte, die man nicht aus der Hand legen kann und die ich euch wärmstens
ans Herz legen möchte.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Aletheia
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