Meine Rezension zu "Volturnus schläft" von Bettina Schott
Die Einleitung:
Als die Debütautorin Bettina Schott auf
Facebook ihren neuen Roman, der im Schwarzwald des 18. Jahrhunderts
spielt vorstellte, wurde ich als waschechte Schwarzwälderin sofort
hellhörig.
Ich freue mich sehr darüber, dass die
Autorin mir ein Leseexemplar zugeschickt hat.
Ich wohne in der Goldstadt
Pforzheim, einer sehr geschichtsträchtigen Stadt im Herzen des Schwarzwalds.
Der
Ort Altensteig, in welchem der Roman spielt ist ca. eine Autostunde von mir
entfernt.
Ich
lese gerne historische Romane und ein solcher Roman, der in meiner näheren
Umgebung spielt ist für mich etwas ganz Besonderes.
Ich mag es, in längst vergangene Zeiten einzutauchen, mir vorzustellen, wie die Menschen damals gelebt haben, woran sie geglaubt haben, wie die Gesellschaft damals strukturiert war und wie weit die Technik und die Wissenschaften fortgeschritten waren.
Ich mag es, in längst vergangene Zeiten einzutauchen, mir vorzustellen, wie die Menschen damals gelebt haben, woran sie geglaubt haben, wie die Gesellschaft damals strukturiert war und wie weit die Technik und die Wissenschaften fortgeschritten waren.
Die Autorin:
Bettina Schott (geb. Daiber) wurde 1976 im Südschwarzwald
geboren.
Nach dem Abitur machte sie eine Ausbildung zur
Arzthelferin.
Ein Studium zur Diplom-Verwaltungswirti
Die Autorin ist verheiratet und hat drei Kinder, die auch
sehr gerne lesen.
Um ihr Lesefutter für die nächsten Jahrzehnte zu sichern,
hat der bekennende Bücherwurm vor einigen Jahren beschlossen ihr eigenes Online-
Antiquariat zu eröffnen, welches inzwischen ungefähr 25.000 Bücher umfasst.
Vor einigen Jahren hat sie selbst angefangen zu
schreiben.
Mit ihrer ersten eingereichten Kurzgeschichte gewann sie
beim „1. Tag des Schreibens“ 2011 einen Verlagsvertrag bei Droemer Knaur.
Damals war sie noch nicht verheiratet und schrieb E-Books
unter ihrem Mädchennamen.
Ihren ersten Roman „Volturnus schläft“ veröffentlichte
sie Anfang 2015 als E-Book.
Inzwischen ist er auch als Taschenbuch erhältlich.
Wer mehr über die sympathische Autorin und ihre Werke
wissen möchte, wird auf ihrer Homepage fündig:
http://bettinaschott.blog.de/
Fakten
zum Buch:
Das Taschenbuch erschien am 6. Januar 2015 im
Selbstverlag bei CreateSpace Independent
Publishing Platform.
Es umfasst 342 Seiten und ist für 10,99 Euro zu haben.
Der Klappentext:
„Schwarzwald,
1748.
Ein
folgenschwerer Unfall im Wald, ein heimtückischer Mordanschlag am Fluss, eine
schändliche Entführung…
Von einem
Tag auf den anderen ist in der sonst so friedfertigen Flößerstadt Altensteig
nichts mehr wie zuvor.
Doch es
kommt noch schlimmer:
Schuld an
den Gräueltaten soll die blinde Wirtstochter Agnes haben, die vom Opfer zum
Sündenbock gemacht wird.
Hexenwerk
sei im Spiel, und der Ruf nach Vergeltung wird laut…“.
Ein facettenreicher
historischer Roman, der den Alltag des Schwarzwalds im 18. Jahrhundert wieder
aufleben lässt.
Die
Gestaltung des Buches:
Auf der Oberseite des Covers steht der Name der Autorin in weißen
Großbuchstaben.
Im Zentrum des Covers sieht man eine junge Frau mit
lockigem Haar, welche ein dunkelrotes Kleid trägt.
Man sieht ihr Gesicht nicht, da sie von hinten abgebildet
wird.
Die junge Frau läuft durch einen düster und unheilvoll
wirkenden Wald.
Der Weg auf dem sie läuft ist über und über bedeckt mit
roten Blättern.
Überwiegend kahle Bäume säumen ihren Weg und scheinen
sich ihr gefährlich zu zuneigen.
An den Baumkronen entdecke ich vereinzelt blutrote
Blätter.
Das Cover wurde an allen Ecken mit fantasievollen
Ornamenten verziert.
Unter dem Bild der Frau steht der Buchtitel „Volturnus
schläft“, welcher mich durch seine farbliche Gestaltung an lodernde Flammen
erinnert.
Mir gefällt die Gestaltung des Covers sehr gut.
Es erzeugt eine düstere Atmosphäre und macht neugierig
darauf, welche unheimlichen Geheimnisse sich wohl dahinter verbergen.
Meiner Meinung passt es sehr gut zur blinden Agnes,
welche im Buch buchstäblich durch eine finstere Welt wandelt, in der ihr nicht
jeder wohlgesonnen ist und in der viele Gefahren lauern.
Die Geschichte und
meine Meinung dazu:
Als
passende Einstimmung zur düsteren und gefährlichen Atmosphäre im Prolog beginnt
das Buch mit einem Gedicht, welches eine hoffnungslose Stimmung vermittelt.
Die
eigentliche Geschichte beginnt mit einer unheilvollen Szene im Wald, deren
Zeuge ich als Leserin werde.
Ein
heimlicher lüsterner Beobachter erfreut sich unbemerkt am Anblick einer
hübschen jungen Frau, die sich in den frühen Morgenstunden an einem Fluss im
Wald erfrischt.
Ich habe
ein ungutes Gefühl, als ich diese Zeilen lese.
Mir
scheint, als drohe der jungen Frau eine unmittelbare, namenlose Gefahr von
diesem heimlichen Beobachter, daher bin ich froh, als er durch nahende
Waldarbeiter in seinem Tun gestört wird.
Wir
befinden uns in dem kleinen Schwarzwälder Ort Altensteig im 18. Jahrhundert.
Hier lebt
die blinde Wirtstochter Agnes Gantner.
Agnes
einziger richtiger Freund ist der Fluss Nagold, an welchem ich ebenso wie an
der Enz schon viel Zeit verbracht habe, da in Pforzheim die Flüsse Enz, Nagold
und Würm zusammenfließen.
Agnes
fühlt sich mit dem Fluss tief verbunden.
Dort, in
Altensteig, an der Flussbiegung
Monhardter Wasserstube welche in der heutigen Zeit ein Freilichtmuseum und ein Relikt aus der Zeit des Flößertums
ist, kann sie in den frühen Morgenstunden in Ruhe den Geräuschen des Waldes
lauschen und ihren Gedanken nachhängen.
Der
verborgenen Gefahr, der sie um ein Haar entronnen ist, ist sie sich nicht
bewusst.
Die kurze
Zeit für sich bildet für Agnes einen starken Kontrast zur hektischen
Betriebsamkeit in der Wirtsstube „Ochsenstube“ welche sie zusammen mit ihrer
Mutter Martha betreibt.
Der Alltag
dort ist anstrengend, undankbar und voller Widrigkeiten.
Agnes und
Martha müssen viel erdulden und besonders Martha hat ein von heftigen Schicksalsschlägen
gebeuteltes Leben.
Ich
bewundere diese Frau, die trotz allem weiter kämpft und sich immer wieder
aufrappeln kann.
Nicht nur
die Hektik ist es, die Agnes stört.
Nein, es
sind die zahlreichen Demütigungen und Beschimpfungen denen sie in der Wirtsstube und in Altensteig ausgesetzt
ist.
An ihrem
Beispiel lässt mich die Autorin hautnah miterleben, was es im Schwarzwald des
18. Jahrhunderts bedeutete, blind zu sein.
Agnes
hatte ein hartes Los und doch war sie eine fleißige Natur, die ihr Bestes gab,
um der Mutter zu helfen.
Es
beschämte mich zu lesen, wie sie von so manchem ungehobelten Mitbürger
drangsaliert und verspottet wurde.
Sie hatte
lobenswerte Wünsche und Träume und es machte mich etwas traurig, dass ihr diese
verwehrt blieben.
Ein
Lichtblick war ihr jüngerer Bruder Friedel, der stets mit großem Respekt von
ihr sprach und der ihr gern eine Freude machte.
Von ihm
erhielt sie auch ein besonderes Geschenk, für das sie ihm sicher lange dankbar
sein würde.
Die Beiden
hatten ein sehr schönes Verhältnis zueinander.
Agnes nahm
ihren Bruder ihrerseits immer in Schutz und
zeigte Verständnis für seine Interessen.
Friedel
schaut gerne den Waldarbeitern am Egenhäuser Kapf bei der Arbeit zu und ist
völlig fasziniert vom alten Louis Bronner, der ihm unten am Fluss gerne
Geschichten aus alten Zeiten erzählt.
Eine
bestimmte Sage lässt Friedel nicht mehr los.
Die
Szenerie wechselt zu Hinrich Forstleitner, der mit seinem Freund Barthel Wegner
seinem mühsamen Tagwerk im Wald nachgeht.
Die beiden
jungen Männer verdienen sich wie viele Männer zu dieser Zeit ihr täglich Brot
mit dem Flößerhandwerk.
Die Arbeit
ist anstrengend und gefährlich und die Konkurrenz ist groß.
Hinrich
fällt auf, dass sein sonst so fröhlicher Freund, der immer mit allen gut
zurecht kommt ungewohnt ernst und mürrisch ist.
Was
bekümmert Barthel?
Die
Bewohner des Ortes befinden sich mitten in Vorbereitungen zu gleich zwei
großen, bedeutsamen Festlichkeiten:
Ein neuer
Brunnen soll eingeweiht werden und Ostern steht vor der Tür.
Während
alle ihrem Tagewerk nachgehen, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse und
es scheint so, als würde keine Ruhe mehr einkehren.
Unliebsame
Begegnungen, denen noch schlimmere folgen werden.
Eine
Liebe, die unter keinem guten Stern steht.
Ein
folgenschwerer Brief und ein Streit.
Ein großer
Verlust und tiefe Trauer.
Ein
verhängnisvoller Unfall wirft seine Schatten über die feierliche Stimmung und
ein feiger Mordversuch wiegelt die Massen noch mehr auf.
Ein
Schuldiger muss her.
Drohungen
werden laut und Vorwürfe stehen im Raum.
Die
Gemüter sind erhitzt und voller Rachsucht.
Meinungsverschiedenheiten
werden ausgetragen, Gewalt wird ausgeübt und schon bald zieht ein wütender Mob
durch die Straßen, der vor nichts Halt macht.
Über all
dem bemerkt niemand das drohende Unheil, welches sich im Vorborgenen
zusammenbraut.
Agnes
befindet sich in tödlicher Gefahr.
Wer wird
ihr helfen?
Oder ist
es schon zu spät?
Mein
Fazit:
Mit "Volturnus schläft“ hat die Autorin mich in ihren Bann
gezogen und mich von ihrem flüssigen und fesselnden Schreibstil überzeugt.
Der
Sprachstil der Autorin ist der damaligen Zeit angepasst und enthält authentische
Begriffe und Redewendungen (z.B. Haderlump, hernach).
Als ich
anfing das Buch zu lesen, wusste ich noch nicht, was mich erwarten würde.
Ich kannte
nur den Klappentext und war neugierig darauf, was es mit dem Buchtitel auf sich
haben würde.
Zu meiner
großen Freude handelt es sich bei dem Buch nicht nur um einen historischen
Roman.
Nein, auch
fantastische Elemente kommen darin vor und die Handlung könnte es mit so
manchem Thriller aufnehmen.
Eine sehr
gelungene Mischung vor einer glaubhaften historischen Kulisse!
Das Buch
ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite und überrascht durch immer
neue Wendungen.
Es machte
mir großen Spaß zu rätseln, wer hinter der Entführung und dem Mordversuch
steckte.
Manches
Mal hatte ich so eine Ahnung, andere Male tappte ich im Dunkeln.
Die
Autorin versteht es gekonnt verschiedene Einzelschicksale zu einem großen
Ganzen zu verweben.
Die Charaktere in „Volturnus schläft“ sind sehr gut
ausgearbeitet.
Sie alle haben ihre besonderen Eigenheiten und blieben
mir so gut im Gedächtnis.
Einige wie Agnes sind
mir so richtig ans Herz gewachsen.
Manche Charaktere wie Bertram, der Bruder von Wentzel
Hornbacher; das Küferehepaar oder der Büttel brachten mich zum Schmunzeln.
Andere wie
der schrullige, verschrobene Alte Louis Bronner waren mir sympathisch und
faszinierten mich.
Ich hätte
mich gern zu ihm und seinem ungewöhnlichen Mitbewohner, der mir auch sehr ans
Herz gewachsen ist, an den Fluss gesetzt und seinen Erzählungen von den Sagen
und Mythen rund um die Nagold gelauscht.
Meiner
Meinung kommen Sagen und Mythen in unserem hektischen, technologisierten Alltag
ohnehin viel zu kurz.
Ich
erinnere mich gerne an eine Nachtwanderung in meiner Schulzeit zurück, bei der
am Lagerfeuer gruselige Sagen aus der näheren Umgebung erzählt wurden und bei
der ich den Wald um mich herum plötzlich mit anderen Augen sah.
Am
Faszinierendsten war für mich neben dem alten Bronner die Figur der
Kräuterzenzl, die immer auf Reisen war und den Menschen durch abenteuerliche
Mixturen zu helfen wusste.
Man merkt dem
Buch an, wie viel Herzblut und Recherche darin steckt.
Neben
einer spannenden Handlung finden sich darin unter Anderem detaillierte
Beschreibungen des Flößerhandwerks, welche sicher nicht nur für Liebhaber alter
Handwerkskunst interessant sind.
Neben den
politischen Hintergründen gibt die Autorin einen guten Einblick in die Regeln
und Gebräuche der damaligen Zeit.
Sie zeigt
auf, welche Unterschiede es je nach gesellschaftlichem Stand und welche
Hierarchien es innerhalb der Familie gab, was man besonders gut am Beispiel von
Hinrichs Schwester Ursel und Agnes erkennen kann.
Sie gibt
einen faszinierenden Einblick in hauswirtschaftliche Tätigkeiten (Wäsche
waschen, das Buttern, das Haltbarmachen und Aufbewahren von Lebensmitteln) im 18.
Jahrhundert.
Vieles
wusste ich darüber noch nicht und fand es sehr spannend darüber zu lesen.
Sehr
interessant fand ich auch die Einblicke in die damaligen Berufsstände, die mir
so auch nicht geläufig waren.
Was mir
gut gefallen hat, war, dass in all dem mitunter recht gruseligen Dorftratsch
und durch so manchen liebgewonnenen Charakter auch ein Hauch Magie in der Luft
schwebte.
Die
Erwähnung einer bestimmten Gemüsesorte ließ mich aufhorchen und sie mit anderen
Augen sehen.
Die Autorin
zeigt, wie schnell sich ein wütender Mob bilden kann, der sich gegen jemand
aufwiegeln lässt, ohne auch nur den Hauch eines Beweises zu haben.
Toll fand
ich auch die Einblicke in die Medizin der damaligen Zeit und welche Grenzen ihr
gesetzt waren.
Die
Autorin zeichnet in ihrem Buch ein stimmiges Bild einer Gesellschaft zwischen
Aberglaube und Frömmigkeit, Mitleid und Rachsucht.
„Volturnus
schläft“ ist ein Buch, welches mich in vieler Hinsicht positiv überrascht hat.
Mit ihrer
spannenden Geschichte nahm mich die Autorin mit auf eine Reise in die
Vergangenheit.
Sie hat
mich sehr neugierig auf das Leben im 18. Jahrhundert gemacht.
Die
Autorin hat ein gutes Händchen dafür, Menschen, Landschaften und Geschehnisse
zu beschreiben und meine Fantasie tat ihr Übriges um die richtige Atmosphäre
aufkommen zu lassen.
Ihre
Beschreibungen des Ortes Altensteig zur damaligen Zeit fand ich so interessant,
dass ich beschlossen habe, ihn zu besuchen, um mir vor Ort alles anzuschauen.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich bin schon sehr gespannt auf das
nächste Buch der Autorin!
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Aletheia
Kommentare
ich bin richtig sprachlos über Deine wirklich ausführliche und konstruktive Rezi. Ich ziehe den Hut vor Deiner tollen Auffassungsgabe und Deiner Art der Interpretation. Ich habe das Gefühl, dass Du den Roman fast besser kennst als ich selber :-)
Ganz lieben Dank und einen herzlichen Gruß zu Dir nach Pforzheim!
LG, Bettina Schott
Wünsche dir ein schönes Wochenende! LG Olga
Bei Silber bin ich selbst noch gespannt. Die Edenstein Trilogie gefiel mir ja unerwartet sehr gut und hoffe, bei Silber ist das genauso :)
Ich wünsche dir noch eine wunderschöne Woche!
Liebste Grüße,
Lilly ❤️
Ps: Ich habe zurzeit ein tolles Ostergewinnspiel mit Produkten von Too Faced, Bath&Body Works und Maybelline am Laufen. Wenn du ja mal Lust und Zeit hast, kannst du ja mal "HIER" vorbeischauen
ich habe deinen Blog gerade entdeckt und bin natürlich gleich mal Leserin geworden! :)
Würde mich riesig freuen, wenn du mich auch mal auf meinem Blog -> http://lovinbooks4ever.blogspot.de/
besuchen würdest :D
Vielleicht hast du ja Lust bei unserer Team Challenge mitzumachen? Bis zum 31.05 kann man sich noch anmelden ;)
Liebste Grüße und einen tollen Tag
Sonja
es wäre wohl kein Roman für mich, aber ich finde deine Rezi echt klasse. Schön ausführlich und ich habe das Gefühl, dass ich mich ein bisschen in den Roman einfinden konnte. ;o)
Liebe Grüße,
Ruby