Montag, 19. August 2019

Mein Besuch der KAMUNA 2019

WERBUNG ohne Auftrag

Am 3. August 2019 fand die 21. Karlsruher Museumsnacht (kurz "KAMUNA") statt, bei der einige Karlsruher Museen, Bibliotheken und Archive von 18.00 bis 1 Uhr ihre Tore für die Besucher öffneten und neben Führungen, Vorträgen, Mitmachaktionen und Open-Air-Konzerten auch Highlights ihrer Sammlungen und Sonderausstellungen zeigten.

Teilgenommen haben :

  • Der Badische Kunstverein
  • Das Badische Landesmuseum
  • Die Erinnerungsstätte Ständehaus/Stadtbibilothek
  • Das Generallandesarchiv
  • Das Museum beim Markt
  • Das Museum für Literatur/Jugendbibliothek
  • Die Majolika Manufaktur
  • Das Pfinzgaumuseum
  • Die Staatliche Kunsthalle
  • Das Staatliche Museum für Naturkunde
  • Das Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais
  • Die Städtische Galerie
  • Das Verkehrsmuseum 
  • und das ZKM – Zentrum für Kunst und Medien.
Im vergangenen Jahr hatte ich die KAMUNA gemeinsam mit meinem Ex-Freund zum ersten Mal besucht und war gespannt darauf, was ich dort in diesem Jahr alles erleben würde.
"KAMUNA" 2018 im ZKM
Meine ehemalige Arbeitskollegin Lore und ich hatten uns zum gemeinsamen Besuch der diesjährigen KAMUNA verabredet.
Ich hatte uns im Vorverkauf zwei KAMUNA-Buttons besorgt, welche sowohl als Eintrittskarten für alle Veranstaltungen im Rahmen der Museumsnacht galten, als auch am Tag der Veranstaltung von 14.00 - 6.00 Uhr zur kostenlosen Nutzung der Verkehrsmittel im KVV-Netz berechtigten.

In Karlsruhe angekommen statteten wir zuerst neugierig der Pommesmanufaktur "Frittenwerk" in der Postgalerie einen Besuch ab, über die Lore im Fernsehen einen Bericht gesehen hatte.
Verschiedenste sogenannte Poutines standen zur Wahl:
Da gab es zum Beispiel die "Montreal Style Poutine" - Eine große Portion Hausfritten mit cremiger Champignon-Rahmsauce, zartschmelzendem Mozzarella und feinen Radieschenscheiben.
Oder die "Chili Cheese Fries"- Eine große Portion Hausfritten mit würziger Chili con Carne vom Rind, cremig-pikanter Käsesauce, leichter Sour Cream und scharfen Jalapeños.
Sehr ansprechend fand ich auch die "Thai Peanut Meatballs" - Eine große Portion Hausfritten mit würzigen Meatballs aus Rind und Geflügel, Thai-Erdnussauce und Sourcream, gerösteten Erdnüssen und Petersilie.

Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Für Veganer gibt es zum Beispiel auch eine Poutine mit veganer Bolognese oder für Vegetarierer eine mit Guacamole, Sour Cream und gewürfelten Tomaten.

Wer will, kann sich seine Poutine mit Meatballs, Hähnchenbruststreifen oder Falafeln pimpen.
Alternativ konnte man sich zum Beispiel auch eine der zwei verschiedenen, farbenfrohen Bowls bestellen.
Sehr ansprechend fand ich, dass alle frischen, hausgemachten Dips des Frittenwerks ohne Farb-, Zusatz- und Konservierungsstoffe zubereitet werden.

Ich entschied mich für die "Pink Persia Poutine".
Dahinter verbarg sich eine große Portion Hausfritten mit leckeren Falafelbällchen, pinkem Hummus, Quinoa, Rucola und Zitronen-Aioli.
Dazu bestellte ich mir noch eine Portion Curry-Wurst, welche ich schon lange nicht mehr gegessen hatte.

Das "Frittenwerk" ist ein Selbstbedienungsrestaurant.
Witzig fand ich, dass man an der Kasse einen Kassenzettel mit einem Superhelden als Codenamen für die Abholung seines bestellten Gerichts erhielt.
Mir haben meine Poutine und meine Curry-Wurst beide sehr gut geschmeckt und auch mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis war ich sehr zufrieden.

Die "KAMUNA" 2019 stand unter dem Motto "Abenteuer Museum" und bot Einblicke in laufende und zukünftige Ausstellungen.
Da zahlreiche Veranstaltungen parallel stattfinden und bei manchen die Teilnehmerzahl begrenzt ist, empfiehlt es sich, den Besuch der Karlsruher Museumsnacht mit Hilfe des Programmheftes ein wenig zu planen und sich vorab zu überlegen, was man gerne sehen möchte.

Interessant fand ich, dass im "Badischen Landesmuseum"  unter Anderem das Virtual Reality-Erlebnis „Audienz im Schloss – Eine virtuelle Zeitreise ins Barock“, sowie der 180-Grad-Panorama-Film „Ich, Karl Wilhelm!“, mit denen man fiktiv in die Zeit der Stadtgründung Karlsruhes zurück reisen konnte, gezeigt wurden.
Im Generallandesarchiv hätte ich gerne an der Besichtigung des Magazins teilgenommen, welches nur ein Mal im Jahr zur Besichtigung freigegeben wird.
Schön fand ich, dass man beim Museum beim Markt eigene Ideen zur Zukunft des Museums äußern durfte.
Die Vorstellung, einen eigenen Raum in einem Museum nutzen zu können und nach Lust und Laune zu gestalten, reizte mich.
Im Museum für Literatur hätte mich die Lesung „Geistige Abenteuer“ des Autors und Vorlesekünstlers Joachim Zelter interessiert.
Im Museum in der Majolika, konnte man die Geschichte der Manufaktur bei der Führung „Innovation trifft Tradition – von der Drehscheibe zum keramischen 3 D-Druck“ miterleben.
Als Hobbyfotografin hätte mich die Porträtsitzung bei H. Felix Gross  „Vom Lichtbild zum Schnappschuss. Fotografie in Karlsruhe 1850 bis 1990“ im Stadtmuseum/Jugendbibliothek interessiert.
Das Staatliche Museum für Naturkunde, eines meiner liebsten Karlsruher Museen, bot während der KAMUNA 2019 verschiedene Vorführungen an: "Navi für Insekten" und "Pflanzen unter UV-Licht".
Das Thema "Abenteuerliche Flora - Waffen der Pflanzen" und die Führungen "Wunderwelt der Kristalle", sowie "Abenteuer Bionik - Vorbild Natur" hätten mich auch sehr interessiert.
Gerne hätte ich mir auch das Kakerlakenrennen und den Insektenlichtfang angesehen.
Die Lesung von Eva Klingler und Wolfgang Wegner über alte, nie vollständig gelöste Mordfälle aus der Region, welche im Verkehrsmuseum stattfand, hörte sich auch spannend an.

Während der KAMUNA fuhren zwei verschiedene KAMUNA-Shuttle-Buslinien die teilnehmenden Museen alle acht Minuten an.
Wir fuhren mit dem Shuttle-Bus zum ZKM und verbrachten den ganzen Abend dort, weil es einfach so viel zu entdecken gab.
Dabei musste ich ein wenig schmunzeln, denn dies war schon im Vorjahr so.
Im vergangenen Jahr haben mein Ex-Freund und ich zusätzlich noch das Pfinzgaumuseum in der Karlsburg Durlach, sowie das dortige  Karpatendeutsche Museum besucht, was daran lag, dass wir aus Versehen in den falschen Shuttle Bus gestiegen waren.
Das Ambiente um das Pfinzgaumuseum herum war sehr schön und lud zum Verweilen ein.
Dafür hatten wir damals aber aufgrund des Schienenersatzverkehrs keine Zeit.

Gemeinsam mit Lore besuchte ich während der KAMUNA 2019 im ZKM die Führungen "Writing the history of the future" und "Edge of now" (Ausstellung noch bis zum 27. Oktober 2019) , sowie eine Kuratorenführung.
Alle drei Führungen fand ich sehr spannend, da ich dabei nicht nur die vielen verschiedenen Ebenen des ZKMs besser kennen lernte, sondern auch einiges über das Zentrum für Kunst und Medien an sich erfuhr.
Wusstet ihr zum Beispiel, dass es sich bei dem ZKM um eine ehemalige Munitionsfabrik handelt?
Generell empfiehlt es sich, eine Führung zu buchen, da man dadurch viele Hintergrundinformationen erhält, durch die man die ausgestellten Werke besser versteht.


Wie auch im vergangenen Jahr begeisterte mich das Werk YOU:R:CODE.
Ich fand es beeindruckend und auch ein wenig erschreckend, dass ein Scanner, als ich mich vor das Werk stellte, unter Anderem meine Größe, mein Geschlecht und mein geschätztes Alter erkannte.

Ähnlich erging es mir, als ich die Damentoilette aufsuchen wollte und stutzte, als ich die dort vermeintlich angebrachte Kamera sah.
In der von Lore genutzten Kabine fand sich dann die Auflösung.
Die Führung "The edge of now" ist mir sehr eindrücklich in Erinnerung geblieben, weil die Ausstellung zum Thema sich  kritisch mit Digitalisierung, Kontrolle, Medienkonsum und Überwachung auseinandersetzt.

Laut der Broschüre zur Ausstellung, welche ich für die Recherche für diesen Blogpost mitverwendet habe, ist diese eine Kooperation im Rahmen des Projekts „Three rooms“ zwischen dem Nam June Paik Art Center in Südkorea, dem Chronus Art Center in Shanghai und dem ZKM Karlsruhe.
Ausstellungen zum Thema finden in allen drei Institutionen statt.

Der aus China stammende Künstler Yang Jian hat mit seinem  Kunstwerk „Forest of sensors“, einen Hindernis-Parcours aus verschiedenen Möbeln und anderen Alltagsgegenständen aus dem Fundus des ZKM geschaffen.
Im Rahmen der Führung durften wir diesen begehen.
Sensoren lösten bei Berührung einen Alarm aus.
Forest of sensors


Sinnbildlich setzt sich dieses Kunstwerk meiner Auffassung nach mit Überwachung im physischen und digitalen Raum auseinander und damit, wie man gezielt von Medien gesteuert und manipuliert wird.
Bei der Führung hatten wir interessante Gespräche und beschäftigten uns mit kritischen Fragen zum Thema Überwachung im öffentlichen und digitalen Raum.
Welche Daten gebe ich on- und offline über mich preis?
Wann dient Überwachung meinem Schutz und wann der Kontrolle?
Wer hat Zugriff zu welchen Daten über mich?

Der aus Korea stammende Künstler Kim Heecheeon trug mit drei Werken zur Ausstellung bei.
In allen dreien beschäftigte er sich mit der Wahrnehmung von Zeit und Raum in virtuellen und physischen Realitäten vor dem Hintergrund seines Lebens und seiner Biografie.
In seinem beklemmenden Video  "Lifting barbells" begab er sich auf die Spur seines Vaters, welcher bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war.
Anhand von GPS-Daten auf dessen Smartwatch und mittels der Sport APP des Vaters konnte er hautnah die letzten Minuten in dessen Leben nachvollziehen.
Sein Werk "Sleigh ride hill" vernetzt verschiedene Handlungsstränge und Realitäten, mit der in Korea populären Face App.
Das Video "Every smooth thing through Mesher" zeigt unter Anderem Aufnahmen aus Seoul bei Nacht, vermischt mit Augmentet-Reality.
Alle drei Werke hatten für mich etwas Verstörendes.
Um sie zu verstehen, muss man wissen, dass die Digitalisierung in Korea wesentlich weiter voran geschritten ist als hier in Deutschland.
Man ist digital stärker vernetzt und und das Leben dort spielt sich viel in digitalen Welten ab.

Die deutsche Künstlerin Verena Friedrich vereint in ihren Kunstwerken organische, elektronische und skulpturale Elemente.

Mit ihrem Werk  „The long now“ hat sie in einem Plexiglaskubus eine kontrollierte Umgebung für eine Seifenblase geschaffen, in welcher diese so lange wie möglich auf Trockeneis stabil gehalten werden soll.
Die Seifenblase dient hier als Symbol für Vergänglichkeit.
Die Künstlerin setzt sich mit ihren Werken mit Inhalten wie Vergänglichkeit und Tod, sowie der Verlangsamung des menschlichen Alterungsprozesses auseinander.
"Transducers"
Ihr faszinierendes Werk „Transducers“ sind mehrere gläserne Apparaturen, welche einzelne Haarproben verschiedener Menschen analysieren.
Die dabei erhaltenen biologischen Informationen wurden durch Sensoren in Klänge umgesetzt.
Jedes Haar hörte sich anders an und natürlich wurde bei mir die Frage aufgeworfen, wie wohl mein eigenes Haar klingen würde.

Die Führung "Writing the history of the future" beschäftigte sich damit, welchen Einfluss die Entwicklung der Medien im Laufe der Jahre auf die Kunst hatte.
Interessant war hierbei auch die Auseinandersetzung mit den Themen Schrift und Wort.


Für dieses Kunstwerk mit dem Titel "Tempo liquido" (flüssige Zeit) von Fabrizio Plessi wurden unter Anderem alte Monitore genutzt.
Während der Führung konnten wir uns einige interessante Objekte aus dem Bereich Medienkunst genauer ansehen und diese selbst ausprobieren.

Bei dem Werk "Beyond pages" von Masaki Fujihata handelt es sich um eine computerbasierte interaktive Installation aus dem Jahr 1995.
Als Besucher der Installation sitzt man an einem Tisch und liest in dem digitalen Buch.
Mit dem beigefügten Stift kann man zum Beispiel die Buchseiten umblättern, etwas darin verändern oder Veränderungen in dem abgedunkelten Raum hervorrufen.

Bei manchen Kunstwerken musste man als Betrachter/in selbst aktiv werden und sich davor bewegen, um das Kunstwerk in seiner Gänze erfassen zu können.
Ich fand es erstaunlich, was man zum Beispiel mittels Film, Fotografie, Klang und Computerinstallationen alles machen kann.
Bei der Kuratorenführung war zu meiner Freude ausprobieren und mitmachen ausdrücklich erwünscht.
Gerade wenn wir mit den Kindern unserer Kita ein Museum besuchen, bin ich froh darüber, wenn es dort für die Kinder Möglichkeiten gibt, selbst tätig zu werden.
So können sie ihren Forscher- und Entdeckungsdrang ausleben.

Ich mag Museen, in denen man selbst aktiv werden kann, da ich ein Typ Mensch bin, der sich Wissen mit allen Sinnen aneignet.

Manche Werke haben einen solchen Aufforderungscharakter, da muss man einfach ausprobieren.
Bei dem Werk von Dieter Hacker "Alle Macht den Amateuren" handelt es sich um zahlreiche Schwarz-Weiß- und Farbfotografien, die unter Anderem von Fotolaboren aussortiert wurden.
Sie erinnerten mich an ähnliche Fotografien, welche ich aus den Familienalben meines Vaters kenne und an meine ersten Fotografieversuche.
Ihr Reiz liegt für mich gerade in dem Imperfekten.
Das "Electric Labyrinth" von Arata Isozaki beschäftigt sich mit der Zerstörung Hiroshimas und Nagasakis durch amerikanische Atombomben.
Als Besucherin lief ich zwischen den spiegelnden Platten seines Labyrinths hindurch und wurde dabei mit Geisterdarstellungen und mir nahe gehenden Fotos aus dem Atomkrieg konfrontiert.

Leider blieb uns keine Zeit mehr, uns die Nebelskulptur Cloud Walk@ZKM (noch bis 25. August 2019), welche den Vorplatz des ZKM zu jeder halben Stunde in dichten Nebel hüllt, anzuschauen.
Das interaktive Kunstwerk Bubbles, bei dem man virtuelle Seifenblasen einfangen konnte, hätte mich auch interessiert, ebenso wie der "Mysteryroom" und der Workshop "Pimp your bag".

Ihr merkt, das ZKM hat mich mit dem hohen Aufforderungswert seiner Ausstellungsstücke begeistert.

Ich werde es auf jeden Fall nochmals besuchen!
Sehr faszinierend fand ich zum Beispiel die interaktive Installation "Portrait on the fly " von Christa Sommerer und Laurent Mignonneau.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen, informativen Einblick über die diesjährige KAMUNA geben.

Vielleicht habt ihr ja Lust bekommen, sie im nächsten Jahr zu besuchen?
Oder das ZKM, welches auf jeden Fall einen Besuch wert ist!

Ein kleiner Tipp von mir:

Das ZKM feiert in diesem Jahr sein 30 jähriges Jubiläum.
Deshalb ist der Eintritt dort bis zum Jahresende kostenfrei, um Bildung und Kunst für jeden zugänglich zu machen.

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